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Zeichen der Liebe
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Gedichteforum -> Humor, Satire, Kinder, Tiere
Anaximandala

Anmeldedatum: 27.02.2022
Beiträge: 101
BeitragBeitrag #1 vom 16.08.2022, 19:54  Titel: Zeichen der Liebe  

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Von ganzem Herzen liebten sich
der runde Punkt von endet Satz
und, grade, der Verbindungsstrich,
die Liebe war ihr größter Schatz.

Doch war es eine andre Zeit,
Symbole warn getrennt nach Klassen
und zwischen diesen herrschte Streit,
sie mussten von Geburt sich hassen.

So liebten sie sich insgeheim
als Punkteo und Strichia,
vollendeten sich wie ein Reim
aus nem perfekten Wörterpaar.

Doch ging das Unglück seinen Gang,
den Schlaf als Tode angesehn,
verspürte Punkteo den Drang
mit seiner Liebsten mitzugehn

und darum die Entscheidung trifft
zu verben hier an diesem Ort,
ganz ohne zögern trank er Schrift,
der Liebsten folgend im Selbstwort.

Als Strichia darauf erwacht
und ohne Punkteo verbleibt,
sie schwarz auf weiß das selbe macht,
den letzten ihrer Fehler schreibt.

Doch heut wo dank Tintenpatrone,
man seine Fehler korrigiert,
da hätten zum Semikolone
die Liebenden sich konjugiert.
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Brigitte

Anmeldedatum: 25.04.2017
Beiträge: 1083
Wohnort: Kaernten
BeitragBeitrag #2 vom 18.08.2022, 16:28  Titel:   

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Im Reich der Interpunktionen

Im Reich der Interpunktionen
nicht fürder goldner Friede prunkt:

Die Semikolons werden Drohnen
genannt von Beistrich und von Punkt.

Es bildet sich zur selben Stund
ein Antisemikolonbund.

Die einzigen, die stumm entweichen
(wie immer), sind die Fragezeichen.

Die Semikolons, die sehr jammern,
umstellt man mit geschwungnen Klammern
und setzt die so gefangnen Wesen
noch obendrein in Parenthesen.

Das Minuszeichen naht, und – schwapp
da zieht er sie vom Leben ab.

Kopfschüttelnd blicken auf die Leichen
die heimgekehrten Fragezeichen.

Doch wehe! neuer Kampf sich schürzt:
Gedankenstrich auf Komma stürzt –
und fährt ihm schneidend durch den Hals,
bis dieser gleich und ebenfalls
(wie jener mörderisch bezweckt)
als Strichpunkt die Gefild bedeckt!…

Stumm trägt man auf den Totengarten
die Semikolon beider Arten.

Was übrig von Gedankenstrichen,
kommt schwarz und schweigsam nachgeschlichen.
Das Ausrufszeichen hält die Predigt;
das Kolon dient ihm als Adjunkt.

Dann, jeder Kommaform entledigt,
stapft heimwärts man, Strich, Punkt,
Strich, Punkt…

Christian Morgenstern (1871 – 1914),
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Anaximandala

Anmeldedatum: 27.02.2022
Beiträge: 101
BeitragBeitrag #3 vom 19.08.2022, 19:45  Titel:   

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Oh das Gedicht ist verdammt cool. Danke fürs posten Brigitte :)



Krieg der Symbole

Es lebte die Symbolewelt
in Kasten und in Klassen
nach der Bedeutung aufgestellt,
geschichtet und am Hassen.

Die Zahlen sah'n sich elitär,
den Lauten überlegen,
die wieder, was kein Buchstab wär,
versuchten wegzufegen.

Die Zeichen, ehrenlos genannt,
zersplittert ihre Lande,
von Lauteinheiten einst verbannt,
den Zahlenwerten Schande.

Ihr Nutzen sei so schwindend klein,
man wollte sie vernichten,
den Zahlen schiens ok zu sein
sie massig hinzurichten

In ihrem elitären Kreis
da brauchte man schon selten
Buchstaben, ihnen war's Beweis,
ohn Wert die Zeichenwelten.

Doch fingen sanfte Laute an,
in Revolutionen,
mit A's und E's der Bruch begann,
den Zeichen beizuwohnen.

Als gleich, konkret und ein Gewinn
zerbrach sie, die verkackte
Gesellschafft nach der Zahlen Sinn,
als diese ins Abstrakte

gejagt um elitär nun dort
in ihrem Kreis zu leben
was blieb, begann in Satz und Wort
die Sprache zu erheben.

Der Sinn entsprang der Wörter Laut,
Akzente aus den Zeichen.
Bald wurden schon Ideen gebaut
und etwas ohne Gleichen

erwuchs aus dem Symbolsystem
dem Baustein für Geschichte
wie Gott erschuf den Mensch aus Lehm
Symbole die Gedichte.

Der Friede in dem Zeichenbund,
die Kombimöglichkeiten,
sie schenkten uns im Erdenrund
die Lyrik ohne Zeiten.

Die Zahl'n in ihrem eignen Spiel
der ew'gen Abstraktionen
entschlüsseln auf dem Weg ans Ziel
nun ganze Dimensionen

die leider nur im Geist bestehn,
so ist es mit den Zahlen,
doch sind konkret auch sie zu sehn,
man kann mit ihnen malen.
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