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Unvorstellbare Vorgaenge
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Gedichteforum -> Dunkle Gedichte
Brigitte

Anmeldedatum: 25.04.2017
Beiträge: 560
Wohnort: Kaernten
BeitragBeitrag #1 vom 17.05.2018, 07:38  Titel: Unvorstellbare Vorgaenge  

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UNVORSTELLBARE VORGÄNGE
© Brigitte

Lisas Nachbar bringt die Gülle
in ihre Gartenidylle ein,
und das nicht nur auf die Obstwiese,
das muss auch heimlich auf Gemüse sein.

Zwei Generationen von Obstbäumen
waren bisher abgestorben,
Waschlaugen, die weiß aufschäumen,
haben die Früchte verdorben.

Der Zwetschkenbaum trug nur mehr Narren,
sie fielen vor der Reife,
die Pflaumen, die einst süße waren,
faulen am Baum klumpenweise.

Die Äpfel tragen schwarze Flecken
und halten nicht mehr lange,
sie werden Lisa nicht schmecken,
als Lisa durchschaut, wird ihr bange.

Wunderschön haben die Bäume geblüht.
Mit den Früchten ist nichts mehr zu richten,
wegen mit Duschwasser verdünnter Gülle
muss sie auf das Obst verzichten.

Es tut schon weh, die leckeren Kirschen,
in Herzform und glänzend rot,
verführen dazu, nach ihnen zu greifen,
aber in ihnen wartet der giftige Tod.

Am Birnenbaum hängt keine Birne,
sie fallen noch winzig klein ab.
Was tut sich in Nachbars Gehirne
bei Sonne und Regen pumpt er Gülle herab?

Die Tochter des Nachbarn ist Friseuse,
sie färbt den Leuten die Haare,
die Chemikalien dazu sind böse,
es summiert sich im Laufe vieler Jahre.

Jetzt liegt die dritte Generation
von Obstbäumen im Sterben,
Man sieht es an ihren Stämmen schon,
wie sie linksgedreht verderben.

Auf den Stämmen wachsen Flechten,
Pilze, Moose siedeln ein,
und auf allen Obstbaumästen
werden sie Schmarotzer sein.

Die Kartoffeln tragen Gülleflecken,
sie sehen aus wie verbrannt,
versaut ist der Garten bis in alle Ecken
und das Gras verschwand.


Wo keine Möhren und Zwiebeln gedeihen,
Hülsenfrüchte und Salate verderben,
kann man Nachbarn nicht mehr verzeihen,
wie kann er sich Narrenfreiheit erwerben?

Der Bärlauch zeigt weiße Sprenkel
an jedem grünen Blatt,
Allergie an Lisas Arme und Schenkel,
die der Arzt behandelt hat,

gehen auf Nachbars Abwässer zurück
und auf Unkrautvernichter,
mit dem die Nachbarin Lisas Kräuter beglückt.
Oh, was sind Nachbarn für Bösewichter?

Hinter Sträuchern war kaum zu durchschauen,
Lisas Zaun wurde zum Unterschlüpfen demontiert,
dann haben sie Lisas harten Boden behauen,
damit er Flüssigkeiten leichter saugen wird.

Das kann sich keiner vorstellen,
in anständige Köpfe geht das nicht hinein,
der Nachbar missbraucht Wasserquellen,
Lisa kauft alles im Supermarkt ein,

um weiterleben zu können.
Sie kann ihren Garten nicht nutzen
und muss sich daran gewöhnen,
von ihren Katzen Nachbars Schmutz zu putzen.

Sie riechen nach Waschpulver und Harn
und früher auch nach Chlor,
sie fühlen sich klebrig an,
das kommt bei Unkrautvernichter vor.

Die Antwort wird man hier nicht finden,
warum der Nachbar das darf,
hoch kriminell vermag er Lisa zu schinden,
und sein Jagdgewehr schießt scharf.

Der Bürgermeister steht hinter ihm
und wird um Kanalgebühr geprellt,
ausweglos, hoffnungslos schlimm
wird Lisa terrorisiert und gequält.

So wie Lisa ihr Grundstück verlässt,
um arbeiten und einkaufen zu fahren,
wird es vom Nachbarn wieder eingenässt,
und das geschieht täglich seit fünfzig Jahren.

Das kann sich keiner vorstellen,
der es nicht selber erlebt,
es gipfelt im Missbrauch von erschlichenen Wasserquellen,
und keiner da, der sich dagegen erhebt.

*

1. Foto: (c) Brigitte "Kirschbaumstamm mit Flechten und Moos"



2. Foto: (c) Brigitte "Mirabellenbaum mit Pilzen"

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juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1096
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #2 vom 19.05.2018, 17:05  Titel:   

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Das liest sich gut. Bestimmt lässt sich das Gedicht gut vortragen oder singen, begleitet von einem Klavier, bei einem Poetry Slam. Der Ton wird gut durchgehalten und die Dichterin bleibt als Chronistin weitgehend neutral. In dieser Länge muss man das auch erst einmal schaffen.
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