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Unter der Lilie
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Gedichteforum -> Helle Gedichte
Dr. Karg

Anmeldedatum: 09.06.2011
Beiträge: 304
BeitragBeitrag #1 vom 19.06.2011, 23:28  Titel: Unter der Lilie  

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Unter der Lilie

©Hans Hartmut Karg
2011

Sei, meine Freundin, nicht meine Endung
Und sei mein Leben, nicht mein Tod.
Nicht mehr will ich willentlich aufgehen
Im Stundenmaß von Nahrung und Pflege.
Du aber, meine Lilie, bleibe standhaft
In der Sonne Deiner Freundlichkeit,
In der Näherung Deiner Lieblichkeit.
Bleibe liebevoll, anmutig, lächelnd,
Dame in Deiner Dir eigenen Art.
Ja, Du, liebliche Lilienkonstanze,
Der doch kein Mann das Ebenmaß
Reichen und freundlich zubilligen kann,
Weil Du schon redest, wenn Du nicht liebst,
Und Du noch nicht redest, wenn Du schon liebst:
Sei ja nicht meine Vergessenheit, meine Ferne,
Wo Du in der Eigenheit Deines Lilienseins schon
Immer die höheren Stärken des Seins empfängst.
Bleibe in der Lilieneigenheit Deine Einmaligkeit!
So liebe ich denn immer, meine weiße Lilienblüte,
In die Unerreichbarkeit Deines Lilienwesens hinein,
Weil ich doch noch nicht und nimmermehr Blume bin,
Wie ich noch nicht und nicht mehr Blüte im Wesen sein kann,
Wenn die Männlichkeit, meine abgrundtiefe Männlichkeit,
Nicht mehr Deine wunderweiße Blüte erreichen wird,
Die doch rein sein will und rein sein soll und kann,
Wo sie nicht mehr meine Unreinheit ertragen muss.
Du, weiße Lilie, sei mein Schutz und Schirm,
Bleibend und zugleich erlebendes Sein
Über der Unreinheit und Ungleichheit,
Die doch bei Dir Zuflucht findet
Im täglichen Blaugrau
Der weinenden
Lilienrose.

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