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Theodor Kramer (1897-1958)
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Gedichteforum -> Bekannte Gedichte
SoDelicious

Anmeldedatum: 11.01.2008
Beiträge: 42
BeitragBeitrag #1 vom 20.03.2009, 17:25  Titel: Theodor Kramer (1897-1958)  

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Wer läutet draußen an der Tür?


Wer läutet draußen an der Tür,
kaum daß es sich erhellt?
Ich geh schon, Schatz. Der Bub hat nur
die Semmeln hingestellt.

Wer läutet draußen an der Tür?
Bleib nur; ich geh, mein Kind.
Es war ein Mann, der fragte an
beim Nachbar, wer wir sind.

Wer läutet draußen an der Tür?
Laß ruhig die Wanne voll.
Die Post war da; der Brief ist nicht
dabei, der kommen soll.

Wer läutet draußen an der Tür?
Leg du die Betten aus.
Der Hausbesorger war's; wir solln
am Ersten aus dem Haus.

Wer läutet draußen an der Tür?
Die Fuchsien blühn so nah.
Pack, Liebste, mir mein Waschzeug ein
und wein nicht: sie sind da.

(18. Juni 1938)
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Namazu

Anmeldedatum: 05.04.2007
Beiträge: 36
BeitragBeitrag #2 vom 21.03.2009, 01:28  Titel:   

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Das Gedicht kannte ich noch gar nicht - vielen Dank fürs posten!
Kramer muss ich mir wohl bald näher zu Gemüte führen...
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SoDelicious

Anmeldedatum: 11.01.2008
Beiträge: 42
BeitragBeitrag #3 vom 11.10.2009, 23:20  Titel:   

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Rast im Gäßchen


Wann mittags die Läden rings schließen
und die Leut in die Anlagen gehn,
ist's schöner, die Rast zu genießen
im winzigen Gäßchen, zu sehn,
wie ausdorrt das Kraut in der Tonne,
zu hörn, wie ein Kind von fern greint,
zu wissen im Schank, wie die Sonne
aufs bucklige Pflaster scheint.

Es strecken lässig die Beine
sich aus unterm wackligen Tisch,
es schmeckt zum gekühlten Weine
in Sulz der gepfefferte Fisch.
Die Luft ist aus Kringeln gesponnen,
die Bank ist zum Dösen gemeint,
wenn heiß vor der Türe die Sonne
aufs bucklige Pflaster scheint.

Es stützen mit starrenden Brüsten
die Huren im Fenster sich auf,
und leidet der Mensch an Gelüsten,
so geht er ein Stündlein hinauf.
Es mehrt hinterm Vorhang die Wonne,
zu hörn, wie ein Kind von fern greint,
zu wissen, wie draußen die Sonne
aufs bucklige Pflaster scheint.
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Stahl

Anmeldedatum: 16.12.2009
Beiträge: 1
BeitragBeitrag #4 vom 16.12.2009, 01:17  Titel:   

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An einem schönen Herbsttag möcht ich sterben ...

An einem schönen Herbsttag möcht ich sterben,
der schon ein wenig rauh und frostig ist,
vor unserm alten Haus daheim im herben
Geruch von Unkraut und von Rankenmist.

Den Hauch der schwarzen Schalen möcht ich schlürfen,
die von den Nüssen fallen, und den Pflug
die morschen Stoppeln stürzen sehen dürfen
ins fette Erdreich bis zum letzten Bug.

Dann könnt ich leichter glauben, daß das gleiche
Gesetz, nach dem der Fechsung morscher Rest
den Boden wieder düngt, auch mir das Gleiche
gewährt und mich nicht ganz vergehen läßt.
(Theodor Kramer)
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