Wann mittags die Läden rings schließen
und die Leut in die Anlagen gehn,
ist's schöner, die Rast zu genießen
im winzigen Gäßchen, zu sehn,
wie ausdorrt das Kraut in der Tonne,
zu hörn, wie ein Kind von fern greint,
zu wissen im Schank, wie die Sonne
aufs bucklige Pflaster scheint.
Es strecken lässig die Beine
sich aus unterm wackligen Tisch,
es schmeckt zum gekühlten Weine
in Sulz der gepfefferte Fisch.
Die Luft ist aus Kringeln gesponnen,
die Bank ist zum Dösen gemeint,
wenn heiß vor der Türe die Sonne
aufs bucklige Pflaster scheint.
Es stützen mit starrenden Brüsten
die Huren im Fenster sich auf,
und leidet der Mensch an Gelüsten,
so geht er ein Stündlein hinauf.
Es mehrt hinterm Vorhang die Wonne,
zu hörn, wie ein Kind von fern greint,
zu wissen, wie draußen die Sonne
aufs bucklige Pflaster scheint.
An einem schönen Herbsttag möcht ich sterben,
der schon ein wenig rauh und frostig ist,
vor unserm alten Haus daheim im herben
Geruch von Unkraut und von Rankenmist.
Den Hauch der schwarzen Schalen möcht ich schlürfen,
die von den Nüssen fallen, und den Pflug
die morschen Stoppeln stürzen sehen dürfen
ins fette Erdreich bis zum letzten Bug.
Dann könnt ich leichter glauben, daß das gleiche
Gesetz, nach dem der Fechsung morscher Rest
den Boden wieder düngt, auch mir das Gleiche
gewährt und mich nicht ganz vergehen läßt.
(Theodor Kramer)
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.