Gedichteforum für deutschsprachige Lyrik und Gedichte
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sarah h. 2008/2009
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Gedichteforum -> Humor, Satire, Kinder, Tiere
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
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BeitragBeitrag #1 vom 02.06.2008, 18:11  Titel: sarah h. 2008/2009  

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Meine Tochter hatte mir im März dieses Jahres ein Gedicht geschrieben. Es war ihr zweites, und ich war ziemlich überrascht, weil sie es von sich aus und ohne jede Hilfe oder Rat zustande gebracht hatte.
Wahrscheinlich hatte sie sich von meiner Arbeit anstecken lassen. Es macht ihr Spaß, mir mit Gedichten eine Freude zu machen, und ich muss mich zurückhalten, sie nicht ständig dazu zu drängen, damit sie nicht die Lust daran verliert.

Sarah-Helen ist sechs Jahre alt und seit einem halben Jahr dabei, in der Schule das Schreiben zu lernen.
Nach meiner anfänglichen Begeisterung habe ich mich ob der manifestierten Hochbegabung des Kindes ein wenig beruhigt und lese ihre Gedichte mit großer Freude. Versuche, sie zu fördern, beschränken sich mittlerweile auf stundenlanges gemeinsames Lesen von Gedichten aller Art und Coleur, von Gottfried Benn bis Reiner Kunze.

Vielleicht bleibt ihr Interesse an Lyrik erhalten, und ich kann in diesem Ordner in loser Folge einige der Erzeugnisse vorstellen.
Begabung muss erkannt werden, gefördert werden, ansonsten versickert Talent.

Und - ja, vielleicht - wird daraus über die Jahre so eine recht interessante Sache. Eben las ich, dass Marina Zwetajewa ebenfalls ihre ersten Gedichte mit sechs Jahren geschrieben hat.
Könnte spannend werden!

Beste Grüße,
Jürgen
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #2 vom 02.06.2008, 18:28  Titel: Die Hühner  

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DIE HÜHNER


Die Hühner laufen kreuz und quer
Das ist ein Kreisverkehr

Die Hühner picken Mais. Die anderen
Bekommen aber keinen Preis

Die eine gackert ich lege Eier
Die andere gackert du
Brauchst einen Schleier

Der Hahn kräht
Kikariki
Die Hennen lachen
Hihihi


März 08
Wen es interessiert - das Original als .jpg-Datei zum Nachlesen:
http://www.gedichteforum.at/bilder/sarah_180308.jpg

Es verlangt ein wenig Übung, die Wörter zu erkennen. So lernt man eben heutzutage Schreiben, erst intuitiv, des Ausdrucks wegen, erst in späteren Jahren erfolgt der Feinschliff.
Für einen ErstklässlerIn ist das schon recht beachtlich, charmant und auch tiefsinnig. Das Großartigste jedoch scheint mir der erkennbare Formwille zu sein.
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Villon´s Krückstock

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BeitragBeitrag #3 vom 02.06.2008, 18:41  Titel:   

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Hallo Jürgen!

Danke, daß du Sarahs Gedichte für uns einstellst - Kinder haben oft eine sehr aufregende Sicht der Welt, die uns Erwachsenen schon größtenteils abhanden gekommen ist - und ihr Ausdruck ist wirklich sehr charmant.

LG
Irene

_________________
http://www.ironirene.com/lyrische_selbstversuchung.html
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #4 vom 18.06.2008, 00:40  Titel:   

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DIE SCHERE

Schnipp schnapp - das war knapp

Hui! Die Schere macht Schnapp
Silimelini. Die Schere heisst Wini
Es schmeckt, es ist weg
Das Papier


10.4.08
Punkt, Komma, Gedankenstrich eingefügt; unverändert
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #5 vom 18.06.2008, 00:41  Titel:   

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Die Pferdeherde lief überall
auf jeden Fall
Sie läuft durch den Zoo
Ein Löwe schreckt - die Pferde
haben ihn aufgeweckt
Sie lief wieder weg - O Schreck
Sie liefen weiter weg


25.5.08
Zwei Gedankenstriche eingefügt; unverändert
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #6 vom 18.06.2008, 00:43  Titel:   

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FLOH MIT DREI O

Der Himmel hat einen Flo oo!
Er wirft ihn auf die Menschenherde

Himmel birg noch einmal - der Floh
muss weg auf jeden Fall

Der Floh ist so riesig wie ein Pfirsich
Die Menschen beissen und reisen


25.5.08
Titel eingefügt; Gedankenstrich eingefügt; unverändert
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #7 vom 18.06.2008, 00:44  Titel:   

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DIE HASEN

Die Hasen die rasen
Die Hasen saufen und laufen
Die Hasen gehen - auf Wiedersehen

Die Hasen stinken und versinken
Die Hasen sind krank und liegen
auf der Bank
Die Hasen schrein: wir sind
allein


05/08
Titel eingefügt; Gedankenstrich eingefügt; unverändert
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #8 vom 18.06.2008, 01:13  Titel:   

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DER HERBST

Der Herbst zieht durch das Herz.
Der Herbst ist zu Besuch im März.

Der Herbst spielt Fussball weil ers gut kann.
Der Herbst geht fort und lässt zurück den Ort.

Der Herbst ist blau - schwarz - grau.
Der Herbst pflückt Blumen - warum?

Der Herbst deckt sich zu - und macht muh.


8.06.08
Titel eingefügt


Aus dieser lustigen Wortspielerei habe ich im ersten Entwurf drei Zeilen gestrichen, in denen es sich Sarah zu leicht machte. Witzigerweise ging der Herbst da einmal ganz archaisch 'aufs Klo', aber wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ein Scheisshaus nicht besonders lyrisch ist, u. sie hat dafür den Herbst Fussball spielen lassen.
Das ist zwar auch 'aus dem Leben gegriffen' (die EM hatte eben angefangen), aber beim Durchgehen des Textes haben wir dafür ein stimmiges Jahreszeitenbild finden können: das Spiel des Windes mit dem Laub. Warum sie im Vorsommer ein Herbstgedicht schreibt - möglicherweise wegen des Kälteeinbruchs, der uns derzeit herbstliche Temperaturen beschert.

Man muss wohl der Versuchung widerstehen können, in Gedichten von Kindern arg tiefsinnig Schürfendes zu entdecken. Doch der erste Vers 'Der Herbst zieht durch das Herz' ist wirklich klasse. Die Kleine hangelt sich noch mit Stabreimen und Alliterationen durchs Gedicht, aber - welch eine Begabung schlummert da in ihr, dass sie so etwas mühelos innerhalb weniger Minuten aus dem Handgelenk schüttelt?

Das Kind verwendet jetzt schon die wichtigsten Satzzeichen, um seine Verse zu gliedern. Dieses Fragezeichen im Herbstgedicht war ihr erstes überhaupt.
Manchmal möchte sie für ihre Gedichte eine Gegenleistung haben. Manchmal gebe ich nach, aber nicht zu oft.
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #9 vom 22.06.2008, 15:52  Titel:   

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Der Frühling kommt
der Winter vergeht.
Heute wird es spät.

Der Mond kommt!
Die Sterne steigen empor.

Der Morgen kommt, die Hähne krähn.
Muss ich dann aufstehn?


21.6.08, zum Sommeranfang
Zeilenumbruch in der ersten Zeile nach 'Frühling kommt' eingefügt, unverändert


So liest sich das - mit all den Rechtschreibfehlern - noch entzückender:

Der Frülig komt
der Winter ferget.
Heute wird es spet.

Der Mont kommbt!
Die Sterne Steigen in Por.

Der Morgen kommPt, die Hene krän.
Mus ich dann auf sten?
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #10 vom 11.07.2008, 02:07  Titel:   

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AUF EINE WIESE gehen - Vögel sehen.
Die Bienen summen und brummen.

Du siehst Schmetterlinge - ganz leise
gehen sie auf die Reise.

Du siehst viele Ameisen.
Blätter fallen herunter.

Das Harz duftet.


06.07.08, 2 Bindestriche eingefügt, unverändert
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #11 vom 11.07.2008, 02:08  Titel:   

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HÄUSLEIN streck dich, Häuslein reck dich.
Geh hoch hinaus! Geh wieder hinunter.
Dann sei tapfer und geh fort
an einen anderen Ort.
Du ziehst hinaus in die Welt
Gehst weiter, immer weiter - und dann zerfällt
das Haus.

06.07.08, Komma, Bindestrich eingefügt, unverändert
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #12 vom 11.07.2008, 02:10  Titel:   

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O BARBARA

O Barbara, mein heilig Kind
zeig mir wo die Berge sind.

Barbara, du musst es wagen
musst mich auf dem Rücken tragen.

Du siehst einen Baum ganz reif
ist aber nichts
da ist es giftig.

Du gehst in eine Höhle - geh nicht weiter
Warum?
Du hast die Berge gefunden.


08.07.08, Titel aus Wh der 1 .Zeile extrahiert, Bindestrich eingefügt, unverändert
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Villon´s Krückstock

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BeitragBeitrag #13 vom 11.07.2008, 08:04  Titel:   

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Hallo Jürgen!

Also das Barbara-Gedicht ist ja ein Hit. Warum die arme Barbara wohl hier in eine Hölle gelangt? Oder hat Sarah doch eher eine Höhle gemeint?

LG
Irene

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jürgen h.

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BeitragBeitrag #14 vom 13.07.2008, 20:17  Titel:   

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Ja, Irene -

es war - versicherte mir die Autorin - eine Höhle gemeint, und nicht die Hölle Smile

Lg
Jürgen
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #15 vom 01.11.2008, 03:26  Titel:   

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RABINKEL Rabunkel
im Keller ists dunkel
im Fenster ists hell
Brot backe dich schnell.

Die Hexe Lakritze
ist voller Witze.
Hexenspaß das ist krass.
Zauberkraft macht Spaß.

Hexen hin Hexen her
das ist nicht fair.
Hexenzauber das ist sauber
Hexenblick und Klimperwimper.

28.08.08, Umbrüche gesetzt, unverändert
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