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Oswald von Wolkenstein (um 1376 - 1445)
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Gedichteforum -> Bekannte Gedichte
susana

Anmeldedatum: 25.07.2010
Beiträge: 29
BeitragBeitrag #1 vom 04.08.2010, 10:08  Titel: Oswald von Wolkenstein (um 1376 - 1445)  

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mein herz begehrt dich unverkehrt
(minimalinvasive übersetzung von mir unter beibehalt des schöngefügten)

"mir dringet, zwinget, frau, deine güt´
mein gemüt, traut liebstes Ein,
an ehren reich.
gleich, so muß ich loben, frau, deine gute gestalt."

"dein´s herzens scherzen mich sehr wundert,
vor allem von dir, trauter geselle rein.
dein höflich schimpf,
glimpf mit freuden mich belastet mannigfalt."

"mein schallen, frau, zu dieser frist
einfältig ist. fürwahr, du bist
der ich mein herz hab lassen.
darum gebiet, nicht unterscheid,
traut liebste maid.
in lieb und leid bin ich bereit
zu dienen dir. nichts lieber mir
brächt´ größ´re zier, als daß du schier
gebietest heut´mir tun und lassen."

"dein sehnen, wähnen, ich nicht zünden
kann, vollsüßen deiner gier.
mein weiblich zucht,
frucht möcht klein erfreuen dich zu keiner stund´."
"mein willen stillen du wohl könntest
und empfändest all mein schwer.
dein wort und weis´
leis lieblich erquicken möchts meins herzens grund."
"gesellen sollst dich anderswo.
dein guter wahn, sagt mein verstand
an mir nicht freuden finden kann,
davon dein leiden würde licht.
meine geschichte lässt mich nicht
mit keiner pflicht
dir wünschen heil, wo wär´ mein teil
mein leib so geil dir ward zuteil.
schweig still, die liebe, die ist blind."

"dein handel, wandel mich entzündet
und durchgründet ganz und dort.
darum gedenk:
lenk mich, frau, bleiben stet in deiner huld."
"mein´s mundes kunde muß dir hehlen
ohne quälen, traut liebster hort.
ganz stete treue
neue von dir nie weich´, um keiner händel preis."
"mit freuden ich das dir entgilt
dein ehren mild. von mir nie quillt
dir feindlich ungewinn,
davon dein´ ehre würd´versehrt.
mein herz begehrt
dich unverkehrt, wie mich auch nährt
dein stolzer leib, traulich ersehntes weib.
mein leidvertreib. dein eigen bleib
ich immer auf die gnade dein."
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susana

Anmeldedatum: 25.07.2010
Beiträge: 29
BeitragBeitrag #2 vom 04.08.2010, 10:11  Titel: wach auf, mein hort, es leucht´ dort her  

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wach auf, mein hort, es leucht´ dort her
vom orient der lichte tag.
blinzel die brau´, vernimm den glanz,
wie gar fein blau des himmels kranz
sich mengt durch grau als rechte chance.
ich fürcht ein baldig tagen.

"ich klag den tod, den ich nicht gier:
man hört die vöglein in dem hag
mit hellem schall erklingen schon.
oh nachtigall, dein späherton
bringet mir qual, die ich nicht zahl.
unweiblich muß ich klagen."

beurlaub mich! dein herzensspeer
verwundet mich, daß ich nicht bleiben mag.
die abschiedsnot mir trauern bringt.
dein wörterrot mich in die sehnsucht zwingt,
der bitt´re tod mich wenig dünkt.
darum muß ich verzagen.
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susana

Anmeldedatum: 25.07.2010
Beiträge: 29
BeitragBeitrag #3 vom 04.08.2010, 10:14  Titel: der mai mit lieb er zahl  

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der mai mit lieb er zahl
die erd bedecket überall
büschel, ebends, berg und tal.
aus süßer vogalen schall
erklingen, singen, hohen hall
galanter, lerchen, drossel, nachtigall.
der kuckichauch flucht hinten nach
mit großem ungemach
den kleinen vögeln gockelgleich, hört, wie er sprach:
"kuku, kuku, kukuu, den zins gib mir,
den will ich ham von dir.
der hunger macht lungern mir
den magen schier."
"ach elend! nu wollt schon, soll ich?",
so sprach all das kleine viech.
"küngelkönig, zeis, meis, lerch, nun kommt, wir singen: okidoki
du ich, du ich, du ich und tu ich,
okay okay okay okay okay okay phi
fideli fideli fideli phi,
ki kieriri kiri, kieriri kiri, cifik, cifik,
fiki, fiki."
kuckmichauchgauch singt auch: "kawa wa ku ku".

"rakoo" so sprach der rab,
"krar ich sing auch wohl.
nur voll muß ich sein.
dann singt es von mein:
schieb ein! hier rein! voll sein!"
"lyri lyri lyri lyri lyri lyri lon"
so sang die lerch
so sang die lerch
so sang die lerch
"ich sing hell ein droschelein
ich sing hell ein drossellein
ich sing hell ne droscheline
das in dem wald erklingt"
ihr lyret, verzieret, krahket und wacket
hin und her recht als wie unser pfarrer.
"zidiwikk, zidiwikk, ziehdiewikk,
ziffi,zieg-oh, ziffi,zieg-oh
zifffff! i-zieg-oh." nachtigall!
die alt mit ihrem gesang aushüb den gral.

"upttschau-hi", so sprach das füll´n
"lass uns auch dazuen!
frühe fährt die kuh"
der esel lurt zu:
"her, sack, auf mein genack!
ri-gori-gori-gori-gori-gori-komm!
so ruft mich die mühl-
so ruft die mühl-
so ruft die mühl-!
kehr auf! ruft die müllerin,
heb auf! schreit die bäuerin,
nu trags schon, mein eselein!
das da! prusts eselein: JJJ-aaa.
nu leier, nicht feier, bis dir der geier
die haut abziehen wird bei dem weiher!"
wohl auf, wohl auf, wohl auf!
wohl auf, spann an, pinn drauf, schindt dich,
Walpurg! prügel dich, guter waidmann,
mit jagen, peissen, rocken in dem tann.
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susana

Anmeldedatum: 25.07.2010
Beiträge: 29
BeitragBeitrag #4 vom 06.08.2010, 17:09  Titel:   

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ein mensch von 18 jahren klug
das macht, daß all mein freud geschweigt.
dem konnt ich nie entwinden gnug
seit mir einaug sein wandeln zeigt.
an unterlass hab ich kein ruh,
mich zwingt ihr mündchen spät und fruh,
das ich wie lieblich auf und zu
mit worten süß kann lenken.

wie fern ich bin, mir nahen schier
ihr rein gesichter durch alle land.
ihr zärtlich´ blick´ umfangen mir
mein herz in echter lieb bekannt.
ach gott, und wüsst sie mein gedank,
wenn ich vor ihr sehnlichstens krank
hart steh und trau mit keinem wank
mich, wie sie rankt, zu ranken.

weiblicher weib nie mensch besah,
so lieberlich an tadels punkt.
ihr schön beweg macht ungemach.
vom höchsten scheitel über auf den grund
wenn ich bedenk so gar ihr maß,
kurz, lang, schmal, breit, sie tu und lass,
wer möcht der lieben sein ein hass?
oh, wollt sie mich bedenken!
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susana

Anmeldedatum: 25.07.2010
Beiträge: 29
BeitragBeitrag #5 vom 06.08.2010, 17:13  Titel:   

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fröhlich, zärtlich, lieblich und hellicht,
lustleicht, stille, leise,
in sanfter, süßer, keuscher, seiner weise
erwach, du innigliches, schönes weib!
reck, streck, zeig dein zarten, stolzen leib!
schließ auf dein vieler lichte äuglein klar!
tauendlich nimm wahr,
wie sich verscharrt der sternenpark
in der schönen, heitren, klaren sonne glanz!
wohlauf zu dem tanz!
machen einen schönen kranz
von staunen, braunen, blauen, grauen,
gelb, rot, weiß, veilchen blumen tanz!

blinzelloch, nuschelloch, knutschelloch und lispelloch
wisperloch! freundlich sprachen
aus weidbarem, gutem, reinem sagen
soll dein puschellochroter mund,
der sehr tieflich hat mein herz entzundt
und mich fürwahr tausendmal erweckt,
mich freundlichen erschreckt
aus schlafes traum, daß diesen gaumen ich mir ergaum
als wohlverzierten, roten, engen spalt,
von hellichtlachbereiter gestalt,
zähnlein weiß darin durchzahlt,
trichterlich, honiglich, rebenloch, rosenloch,
sonn´mit fleisch, mich zu weiden, gemalt.

wollt´sie, sollt´sie, tät´sie und käm´sie,
nähm´sie meinem herzen
den sehniglichen, großen, harten schmerzen,
und ihm darauf ein brüstlein weiß geschmückt,
seht, schlecht würd´mein trauern da verrückt.
wie möcht´ein zarte zauberliche dirn
tröstlicher verzier´n
das herze mein an aller pein
mit so inniglichem, liebem, reinem sein in lust?
mund dem mündlein einen kuss,
zung´am zünglein, brüstlein an brust,
bauch an bäuchlein, rauch am räuchlein
schnell zum fleisch, allzeit frisch, gestupst.
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Aliraza482

Anmeldedatum: 24.11.2014
Beiträge: 1
BeitragBeitrag #6 vom 24.11.2014, 13:22  Titel:   

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Der Abendhimmel leuchtet wie ein Blumenstrauß,
Wie rosige Wicken und rosa Klee sehen die Wolken aus,
Den Strauß umschließen die grünen Bäume und Wiesen.
Und leicht schwebt über der goldenen Helle
Des Mondes Sichel wie eine silberne Libelle.
Die Menschen aber gehen versunken tief drinnen im Strauß,
Wie die Käfer trunken und finden nicht mehr heraus.

_________________
A-dil
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juergen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 1096
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #7 vom 10.01.2018, 01:34  Titel: Max Dauthendey: Drinnen im Strauss  

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Dieses Wunder stammt von Max Dauthendey (1867 - 1918)
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