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Melancholie-Gedichte der Fleurs du Mal
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Gedichteforum -> Bekannte Gedichte
deerlady

Anmeldedatum: 20.06.2009
Beiträge: 1
BeitragBeitrag #1 vom 20.06.2009, 18:17  Titel: Melancholie-Gedichte der Fleurs du Mal  

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Hallo Leute!

Ich schreibe eine Hausarbeit im Hauptseminar über die Melancholie bei Charles Baudelaires Fleurs du Mal. Ich soll diese anhand 2-3 Gedichte aus den FdM nachweisen. Könnt ihr mir sagen, welche Gedichte der FdM besondern deutlich bezüglich der Melancholie werden bzw. welche Gedichte sich am besten eignen?

Je schneller, desto besser! :-) Also schonmal vielen Dank im Voraus!

Liebe Grüße

deerlady
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jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 803
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #2 vom 21.06.2009, 16:14  Titel:   

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Der Albatros

Oft kommt es vor, dass, um sich zu vergnügen,
Das Schiffsvolk einen Albatros ergreift,
Den grossen Vogel, der in lässigen Flügen
Dem Schiffe folgt, das durch die Wogen streift.

Doch, – kaum gefangen in des Fahrzeugs Engen
Der stolze König in der Lüfte Reich,
Lässt traurig seine mächtigen Flügel hängen,
Die, ungeschickten, langen Rudern gleich,

Nun matt und jämmerlich am Boden schleifen.
Wie ist der stolze Vogel nun so zahm!
Sie necken ihn mit ihren Tabakspfeifen,
Verspotten seinen Gang, der schwach und lahm.

Der Dichter gleicht dem Wolkenfürsten droben,
Er lacht des Schützen hoch im Sturmeswehn ;
Doch unten in des Volkes frechem Toben
Verhindern mächt'ge Flügel ihn am Gehn.


Lethe

Komm Grausame, nach der ich mich verzehre,
Komm schöner Tiger, der so lässig schleicht,
Wehr nicht der Hand, die zitternd dich umstreicht
Und wühlt in deines Haares üppiger Schwere.

In deiner Röcke duftig weicher Flut
Will ich, mein Haupt begrabend, still versinken
Und will wie Duft aus welken Blumen trinken
Den faden Hauch erstorbener Liebesglut.

Und schlafen will ich! Nicht mehr leben müssen!
In einem Schlummer wie der Tod so weich
Will deine Glieder, glatt und seidengleich,
Ich überstreun mit reuelosen Küssen.

Die wohligen Seufzer zu ersticken, kann
Nichts mit dem Abgrund deines Betts sich messen,
Auf deinem Mund wohnt mächtiges Vergessen,
Und Lethes Flut aus deinen Küssen rann.

Hinfort lass' vom Geschick ich blind mich führen
Voll Lust, als wär's mein vorbestimmtes Amt,
Fügsamer Märtyrer, schuldlos verdammt,
Dem Glut und Inbrunst noch die Qualen schüren,

Und will, um zu ertränken meinen Schmerz,
Das Opium und des guten Schierlings Laugen
Von dieser Brust der wunderbaren saugen,
Die nie umschlossen hielt ein Menschenherz.

Der Tod der Liebenden

So tief und weich, als ob es Gräber wären,
Lass unsre duftumhüllten Lager sein,
Und ringsum Blumen, die in schönren Sphären
Für uns erblüht in einem fremden Hain.

Lass unser letztes Glühen und Begehren
Gleich düsterroten Fackeln lodern drein,
Zwiefache Flammen, die sich spiegelnd mehren
In unsrer Doppelseele Widerschein.

Der Abend brennt in rosig-blauem Flimmer,
Ein letztes Glühen noch, dann schweigt für immer
Der lange Seufzer, schwer von Abschiedsqual.

Und lächelnd tritt ein Engel in das Zimmer
Und weckt zu neuem Leben, neuem Schimmer
Erloschne Spiegel, toter Kerzen Strahl.


Alchimie des Schmerzes

Der Eine füllt die Welt mit Glühn,
Dem Andern ist sie Schmerz und Grauen,
Er kann nur die Verwesung schauen,
Wo Jener Leben sieht und Blühn.

Du unbekannter Gott voll Listen,
Der meine Kräfte hemmt und spannt,
Du machst dem Midas mich verwandt,
Dem traurigsten der Alchimisten.

Du wandelst mir das Gold in Blei,
Das Paradies in Wüstenei;
Du lässt in lichten Wolkendecken

Geliebte Leichen mich entdecken
Und auf den himmlisch heitren Auen
Prunkvolle Sarkophage bauen.

P.S.: Vielleicht als Präambel geeignet

Aufschrift auf ein verpöntes Buch

Leser, friedlich und bescheiden.
Kopf und Herz am rechten Fleck,
Wirf dies Teufelsbuch hinweg,
Das so toll und so voll Leiden.

Schwörst du nicht mit Satans Eiden,
Dieses Pfaffen schlau und keck,
Dann glaubst du mich krank. Wirf s weg'.
Wir verstehn uns nicht, wir beiden.

Doch wenn ohne sich zu trüben
In den Abgrund taucht dein Blick,
Lies mich dann, um mich zu lieben,

Herz voll Leid und Missgeschick,
Das voll Sehnsucht Eden sucht,
Weine! – Oder sei verflucht!
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