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Martin Luther (1483-1546)
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Gedichteforum -> Bekannte Gedichte
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 803
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #1 vom 09.06.2007, 03:11  Titel: Martin Luther (1483-1546)  

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Die Heilige Schrift, deutsch
Das Hohelied Salomo's


Das 1. Capitel

1. Das Hohelied Salomo's.
2. Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn deine Liebe ist lieblicher denn Wein;
3. Daß man deine gute Salbe rieche; dein Name ist eine ausgeschüttete Salbe; darum lieben dich die Mägde.
4. Ziehe mich dir nach, so laufen wir. Der König führet mich in seine Kammer. Wir freuen uns, und sind fröhlich über dir; wir gedenken an deine Liebe mehr, denn an den Wein. Die Frommen lieben dich.
5. Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems, wie die Hütten Kedars, wie die Teppiche Salomo's.
6. Sehet mich nicht an, daß ich so schwarz bin; denn die Sonne hat mich so verbrannt. Meiner Mutter Kinder zürnen mit mir. Man hat mich zur Hüterin der Weinberge gesetzt; aber meinen Weinberg, den ich hatte, habe ich nicht behütet.
7. Sage mir an, du, den meine Seele liebet, wo du weidest, wo du ruhest im Mittage, daß ich nicht hin und her gehen müsse bei den Heerden deiner Gesellen.
8. Kennest du dich nicht, du Schönste unter den Weibern; so gehe hinaus auf die Fußstapfen der Schafe, und weide deine Böcke bei den Hirtenhäusern.
9. Ich gleiche dich, meine Freundin, meinem reisigen Zeuge an den Wagen Pharao's.
10. Deine Backen stehen lieblich in den Spangen, und dein Hals in den Ketten.
11. Wir wollen dir goldene Spangen machen, mit silbernen Pöcklein.
12. Da der König sich her wandte, gab mein Narde seinen Geruch.
13. Mein Freund ist mir ein Büschel Myrrhen, das zwischen meinen Brüsten hängt.
14. Mein Freund ist mir eine Traube Kopher, in den Weingärten zu Engeddi.
15. Siehe, meine Freundin, du bist schön; schön bist du, deine Augen sind wie Tauben-Augen.
16. Siehe, mein Freund, du bist schön und lieblich. Unser Bette grünet.
17. Unserer Häusser Balken sind Cedern, unsere Latten sind Cypressen.

Das 2. Capitel

1. Ich bin eine Blume zu Sarott, und eine Rose im Thal.
2. Wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.
3. Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund unter den Söhnen. Ich sitze unter dem Schatten, deß ich begehre, und seine Frucht ist meiner Kehle süße.
4. Er führet mich in den Weinkeller, und die Liebe ist sein Panier über mir.
5. Er erquicket mich mit Blumen, und labet mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe.
6. Seine Linke liegt unter meinem Haupt, und seine Rechte herzet mich.
7. Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, bei den Rehen oder bei den Hinden auf dem Felde, daß ihr meine Freundin nicht aufwecket, noch reget, bis daß es ihr selbst gefällt.
8. Das ist die Stimme meines Freundes. Siehe, er kommt und hüpfet auf den Bergen, und springet auf den Hügeln.
9. Mein Freund ist gleich einem Reh oder jungen Hirsch. Siehe, er steht hinter unserer Wand, und siehet durch das Fenster, und kucket durch das Gitter.
10. Mein Freund antwortet, und spricht zu mir: Stehe auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her!
11. Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin;
12. Die Blumen sind hervor gekommen im Lande, der Lenz ist herbei gekommen, und die Turteltaube lässet sich hören in unserem Lande;
13. Der Feigenbaum hat Knoten gewonnen, die Weinstöcke haben Augen gewonnen, und geben ihren Geruch. Stehe auf, meine Freundin, und komm, meine Schöne, komm her!
14. Meine Taube in den Felslöchern, in den Steinritzen, zeige mir deine Gestalt, laß mich hören deine Stimme; denn deine Stimme ist süße, und deine Gestalt lieblich.
15. Fanget uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben; denn unsere Weinberge haben Augen gewonen.
16. Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter den Rosen weidet,
17. Bis der Tag kühle werde, und der Schatten weiche. Kehre um, werde wie ein Reh, mein Freund, oder wie ein junger Hirsch auf den Scheidebergen.
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