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Klabund (Alfred Henschke, 1890 - 1928)
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Gedichteforum -> Bekannte Gedichte
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 788
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #1 vom 11.06.2007, 03:39  Titel: Klabund (Alfred Henschke, 1890 - 1928)  

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Die verlorene Welt

Ich bin ohne Glück und unrasiert,
Meine Hosen drehn sich in Spiralen.
Meinen Hut hat mir ein Herr entführt,
Ohne ihn entsprechend zu bezahlen.

Meine Gummischuhe weilen wo?
Ebendort zweihundert Manuskripte,
Die der Straßenreiniger rauh und roh
In den Exkrementenkasten schippte.

Goldne Nadel, die den Schlips bestach!
O ihr braunpunktierten Oberhemden!
Eines zieht das zweite andre nach;
Meine Heimat wandelt unter Fremden.

Wäscherin stahl mir das letzte Glück.
Die Vermieterin möblierter Höhlen
Legt mir auf den Nachttisch Beil und Strick,
Um mir zart das Jenseits zu empfehlen.

Haß sprüht wie ein fahles Feuerwerk
Mir aus allen aufgerissnen Poren,
Und ich renne schreiend wie ein Zwerg
Nach der Riesenwelt, die ich verloren.
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jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 788
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #2 vom 11.06.2007, 03:48  Titel:   

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Einmal noch den Abend halten

Einmal noch den Abend halten
Im versinkenden Gefühl!
Der Gestalten, der Gewalten
Sind zu viel.

Sie umbrausen den verwegnen Leuchter,
Der die Nacht erhellt.
Fiebriger und feuchter
Glänzt das Angesicht der Welt.

Erste Sterne, erste Tropfen regnen,
Immer süßer singt das Blatt am Baum.
Und die brüderlichen Blitze segnen
Blau wie Veilchen den erwachten Traum.
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jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 788
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #3 vom 05.02.2009, 13:25  Titel:   

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Nachts


Ich bin erwacht in weißer Nacht,
Der weiße Mond, der weiße Schnee,
Und habe sacht an dich gedacht,
Du Höllenkind, du Himmelsfee.

In welchem Traum, in welchem Raum,
Schwebst du wohl jetzt, du Herzliche,
Und führst im Zaum am Erdensaum
Die Seele, ach, die schmerzliche -?
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