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Joseph von Eichendorff (1788 - 1857)
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Gedichteforum -> Bekannte Gedichte
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
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BeitragBeitrag #1 vom 06.06.2007, 01:47  Titel: Joseph von Eichendorff (1788 - 1857)  

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Das zerbrochene Ringlein

In einem kühlen Grunde
Da geht ein Mühlenrad,
Mein' Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein'n Ring dabei,
Sie hat die Treu gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus
Und singen meine Weisen
Und gehn von Haus zu Haus.

Ich möcht als Reiter fliegen
Wohl in die blutge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will -
Ich möcht am liebsten sterben,
Da wär's auf einmal still!
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #2 vom 06.06.2007, 01:49  Titel: Mondnacht  

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Mondnacht

Es war, alt hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

~*~

Ein - wie man so schön sagt - unsterbliches Gedicht
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #3 vom 06.06.2007, 01:51  Titel: Der alte Garten  

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Der alte Garten

Kaiserkron und Päonien rot,
Die müssen verzaubert sein,
Denn Vater und Mutter sind lange tot,
Was blühn sie hier so allein?

Der Springbrunn plaudert noch immerfort
Von der alten schönen Zeit,
Eine Frau sitzt eingeschlafen dort,
Ihre Locken bedecken ihr Kleid.

Sie hat eine Laute in der Hand,
Als ob sie im Schlafe spricht,
Mir ist, als hätt ich sie sonst gekannt
Still, geh vorbei und weck sie nicht.

Und wenn es dunkelt das Tal entlang,
Streift sie die Saiten sacht,
Da gibts einen wunderbaren Klang
Durch den Garten die ganze Nacht.
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #4 vom 06.06.2007, 01:52  Titel: Verschwiegene Liebe  

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Verschiegene Liebe

Über Wipfel und Saaten
In den Glanz hinein -
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein?
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.

Errät es nur eine,
Wer an sie gedacht,
Beim Rauschen der Haine,
Wenn niemand mehr wacht
Als die Wolken, die fliegen -
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schön wie die Nacht.
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #5 vom 06.06.2007, 01:52  Titel: An die Tiroler  

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An die Tiroler
Im Jahre 1810

Bei Waldesrauschen, kühnem Sturz der Wogen,
Wo Herden einsam läuten an den Klüften,
Habt ihr in eurer Berge heitern Lüften
Der Freiheit Lebensatem eingesogen.

Euch selbst die Retter, seid ihr ausgezogen,
Wie helle Bäche brechen aus den Klüften;
Hinunter schwindelt Tücke nach den Schlüften,
Der Freiheit Burg sind eure Felsenbogen.
Hochherzig Volk, Genosse größrer Zeiten!

Du sinkst nun in der eignen Häuser Brande,
Zum Himmel noch gestreckt die freien Hände.
O Herr! Laß diese Lohen wehn, sich breiten
Auffordernd über alle deutschen Lande,
Und wer da fällt, dem schenk so glorreich Ende!

~*~

Das Gedicht bezieht sich auf den Freiheitskampf Tirols unter Andreas Hofer gegen die Franzosen und die mit ihnen verbündeten Bayern. Es steht u.a.

deshalb hier, weil es mir - naheliegend - für mich als Tiroler und das Forum selber als Österreichischem bzw. Tiroler Gedichteforum historisch

interessant erschien. Eichendorff, alter Romantiker - wir sind doch in der EU!
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #6 vom 09.06.2007, 02:46  Titel: Der Soldat (2)  

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Der Soldat (2)

Und wenn es einst dunkelt,
Der Erd bin ich satt,
Durchs Abendrot funkelt
Eine prächtige Stadt:
Von den goldenen Türmen
Singet der Chor,
Wir aber stürmen
Das himmlische Tor.
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #7 vom 09.06.2007, 02:47  Titel:   

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Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #8 vom 11.06.2007, 03:09  Titel:   

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Gruß

Über Wipfel und Saaten
In den Glanz hinein -
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein? -
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.

Es rät es nur Eine,
Wer an sie gedacht
Beim Rauschen der Haine
Wenn niemand mehr wacht,
Als die Wolken, die fliegen,
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schön wie die Nacht.
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #9 vom 30.07.2007, 09:34  Titel: Frische Fahrt  

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Frische Fahrt

Laue Luft kommt blau geflossen,
Frühling, Frühling soll es sein!
Waldwärts Hörnerklang geschossen,
Mutger Augen lichter Schein;
Und das Wirren bunt und bunter
Wird ein magisch wilder Fluß,
In die schöne Welt hinunter
Lockt dich dieses Stromes Gruß.

Und ich mag mich nicht bewahren!
Weit von euch treibt mich der Wind,
Auf dem Strome will ich fahren,
Von dem Glanze selig blind!
Tausend Stimmen lockend schlagen,
Hoch Aurora flammend weht,
Fahre zu! Ich mag nicht fragen,
Wo die Fahrt zu Ende geht!

~*~

Die erste Zeile hat Karl Krolow in einem Gedicht zitiert bzw. variiert:
Luft kommt lau wie Milch geflossen
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #10 vom 30.07.2007, 09:35  Titel: Der Abend  

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Der Abend

Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #11 vom 30.07.2007, 09:37  Titel: Zwielicht  

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Zwielicht


Dämmrung will die Flügel spreiten,
Schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken ziehn wie schwere Träume -
Was will dieses Graun bedeuten?

Hast ein Reh du lieb vor andern,
Laß es nicht alleine grasen,
Jäger ziehn im Wald und blasen,
Stimmen hin und wieder wandern.

Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug und Munde,
Sinnt er Krieg im tück'schen Frieden.

Was heut müde gehet unter,
Hebt sich morgen neugeboren.
Manches bleibt in Nacht verloren -
Hüte dich, bleib wach und munter.
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