Beitrag #4 vom 06.06.2007, 01:52Titel: Verschwiegene Liebe
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Verschiegene Liebe
Über Wipfel und Saaten
In den Glanz hinein -
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein?
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.
Errät es nur eine,
Wer an sie gedacht,
Beim Rauschen der Haine,
Wenn niemand mehr wacht
Als die Wolken, die fliegen -
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schön wie die Nacht.
Beitrag #5 vom 06.06.2007, 01:52Titel: An die Tiroler
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An die Tiroler
Im Jahre 1810
Bei Waldesrauschen, kühnem Sturz der Wogen,
Wo Herden einsam läuten an den Klüften,
Habt ihr in eurer Berge heitern Lüften
Der Freiheit Lebensatem eingesogen.
Euch selbst die Retter, seid ihr ausgezogen,
Wie helle Bäche brechen aus den Klüften;
Hinunter schwindelt Tücke nach den Schlüften,
Der Freiheit Burg sind eure Felsenbogen.
Hochherzig Volk, Genosse größrer Zeiten!
Du sinkst nun in der eignen Häuser Brande,
Zum Himmel noch gestreckt die freien Hände.
O Herr! Laß diese Lohen wehn, sich breiten
Auffordernd über alle deutschen Lande,
Und wer da fällt, dem schenk so glorreich Ende!
~*~
Das Gedicht bezieht sich auf den Freiheitskampf Tirols unter Andreas Hofer gegen die Franzosen und die mit ihnen verbündeten Bayern. Es steht u.a.
deshalb hier, weil es mir - naheliegend - für mich als Tiroler und das Forum selber als Österreichischem bzw. Tiroler Gedichteforum historisch
interessant erschien. Eichendorff, alter Romantiker - wir sind doch in der EU!
Beitrag #6 vom 09.06.2007, 02:46Titel: Der Soldat (2)
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Der Soldat (2)
Und wenn es einst dunkelt,
Der Erd bin ich satt,
Durchs Abendrot funkelt
Eine prächtige Stadt:
Von den goldenen Türmen
Singet der Chor,
Wir aber stürmen
Das himmlische Tor.
Über Wipfel und Saaten
In den Glanz hinein -
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein? -
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.
Es rät es nur Eine,
Wer an sie gedacht
Beim Rauschen der Haine
Wenn niemand mehr wacht,
Als die Wolken, die fliegen,
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schön wie die Nacht.
Beitrag #9 vom 30.07.2007, 09:34Titel: Frische Fahrt
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Frische Fahrt
Laue Luft kommt blau geflossen,
Frühling, Frühling soll es sein!
Waldwärts Hörnerklang geschossen,
Mutger Augen lichter Schein;
Und das Wirren bunt und bunter
Wird ein magisch wilder Fluß,
In die schöne Welt hinunter
Lockt dich dieses Stromes Gruß.
Und ich mag mich nicht bewahren!
Weit von euch treibt mich der Wind,
Auf dem Strome will ich fahren,
Von dem Glanze selig blind!
Tausend Stimmen lockend schlagen,
Hoch Aurora flammend weht,
Fahre zu! Ich mag nicht fragen,
Wo die Fahrt zu Ende geht!
~*~
Die erste Zeile hat Karl Krolow in einem Gedicht zitiert bzw. variiert:
Luft kommt lau wie Milch geflossen
Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.
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