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[jh]: März-Haiku
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Gedichteforum -> Kleine Worte -> Haiku
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
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BeitragBeitrag #16 vom 22.03.2007, 08:40  Titel: Haiku  

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Den Teig ausrollen
so dünn, dass man Haiku
lesen kann hindurch

~

Die Ernsthaftigkeit
mit der sie Zehennägel
malt - keiner rührt sich

22.03.2007
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #17 vom 23.03.2007, 02:42  Titel: Ein Tanka  

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Die kalte Wolke
neben den Wölkchen
von deinem Mund


Ein ziemlich misslungenes Haiku. Das damit anfangen?

Ich versuche mit einem Tanka, das Thema etwas zu umschreiben. Tanka bestehen aus einem haikuähnlichen 'Vorspann' mit 5-7-5 Silbenschema, und einem Nachsatz, bestehend aus zwei Versen mit je 7 Silben. Soweit das japanische Original.

Es schneit ein wenig
Du gehst nun. Wenig länger
bleiben Wörter mir
vom Abschied, als dein Atem,
von Schneeflocken durchfallen

Es schneit ein wenig
Du gehst nun

(Zwei Begegungsrichtungen, einmal belebter, einmal unbelebter Natur)

... schneit ein wenig
... wenig länger

(anknüpfend an das Schneien - der Fall der Flocken erfolgt langsam - das Fortgehen des angedichteten Gegenübers gleichermaßen im selben Tempo, langsam wie Schneeflocken eben fallen)

... wenig länger
bleiben Wörter mir
vom Abschied

(lyrisch etwas übertrieben: ein ausgesprochenes [oder auch ungesagtes] 'Auf Wiedersehen' bleibt als Atemhauch nach dem Umdrehen und Fortgehen des Gegenübers bestehen)

vom Abschied, als dein Atem
von Schneeflocken durchfallen

(die Verbindung zum Gedichtanfang wird wiederhergestellt, die Vergänglichkeit des Augenblicks dargestellt durch den von Schneeflocken durchquerten Atemhauch)

Es ist immer etwas seltsam, wenn man versucht, seine eigenen Gedichte zu interpretieren. Aber immerhin hilfreich, wenn man sich an eine neue Gedichtart herantastet und Lesarten ausprobiert - mein erstes Tanka-Gedicht.

Es schneit ein wenig
Du gehst nun. Wenig länger
bleiben Wörter mir
vom Abschied, als dein Atem,
von Schneeflocken durchfallen

24.03.2007

Eine - vermutlich - verbesserte Version vom 11. April:

Es schneit ein wenig
Nun gehst du. Mir bleibt
zum Abschied
der Trost, dass deinen Atem
Schneeflocken durchfielen
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #18 vom 25.03.2007, 11:05  Titel: Zeitumstellung  

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Die Uhren werden eine Stunde vorgestellt

Ein Sack Uhren ...
Die Stunde verstecken
vor der Zeit

25.03.2007
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #19 vom 25.03.2007, 11:16  Titel: Vom Flugzeug aus ...  

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Vom Flugzeug aus ...
Die glitzernde Stadt
auf diesem Stern

18.02.2007
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #20 vom 28.03.2007, 07:57  Titel: Verzeih - ich starb  

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"Verzeih - ich starb
vor dir". Dich geleiten
Freunde ...


Ein Gedicht von Reiner Kunze mit eben dieser Thematik:

Bittgedanke, dir zu Füssen

"Stirb früher als ich,
um ein weniges
früher

Damit nicht du
den Weg zum Haus
allein zurückgehn musst"


Eine der großartigsten Liebeserklärung in der deutschsprachigen Literatur! Kein Wort zuviel - wozu mit Haiku und Tanka umgehen, was im Deutschen schon eine mehr als ebenbürtige Entsprechung fand?
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #21 vom 28.03.2007, 11:26  Titel: Zwei Haiku  

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Märzenbecher -
im Garten
tanzen Quallen

28.03.2007, vormittags, während der Arbeit
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #22 vom 29.03.2007, 08:11  Titel: Das Nadelöhr  

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Das Fadenende
im Nadelöhr
der Nähnadel


"Das Nadelöhr ist eine meist länglich-ovale, manchmal auch kreisförmige Durchlassöffnung am Ende einer Nähnadel."
(aus: Wikipedia)

Angenehm: die Häufung des Buchstaben N bei dieser Fingerübung.

29.03.2007
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #23 vom 01.04.2007, 10:08  Titel: Die Wolke  

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Die Wolke
dichtet der Rauchfang
im Haus

01.04.2007
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #24 vom 01.04.2007, 10:13  Titel: Die Spur zum Haus  

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Wie der Krebs -
Im Rückwärtsgang
des Windes wegen

01.04.2007
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