Wie lang wird Floras holder Schar zum Spotte
Als Stern der Blumenwelt uns aufgebunden,
Als Edel=weiß gerühmt von Sängermunden,
Dies fahle Ding, bestäubt wie eine Motte?
Habt ihr denn je - sprecht wahr beim Sonnengotte! -
Es blütenfrisch, es sternenschön gefunden?
Und habt ihr nie für Frauenhuld empfunden,
Daß ihr umwerbt die tückische Kokotte?
Was bessert´s, daß sie nach dem Ätherbogen
Sich suchen läßt, von Klippicht rings umbordet -
Ihr Herz ist welk, ihr Edeltum erlogen.
Und grausam, wie die Rothaut prahlt mit Skalpen,
Mahnt sie der Freier, die sie hingemordet,
Die Modedirn im Blumenreich der Alpen!
Ein Meer mit finstren Wellen flutet
Ums blühende Land des Lebens her;
Es flutet lautlos, und ewiger Nebel
Braut über den Wassern düster und schwer.
Und jeden graut es, die Flut zu befahren,
Doch stößt ihn hinaus eine dunkle Hand -
Ade, mein Schiffer! Da kehrt nicht wieder,
Wer je die Barke vom Ufer band.
Besteht er das Grauen, durchsteuert das Düster
Und setzt er den Fuß auf die seligen Au´n,
Die Leid und Not und sehnende Liebe
Durch Nebel und Düster träumend erschau´n?
Verschlingen die stummen, gespenstigen Wogen
Den Weltverlaßnen, und ist es vorbei?...
Gewiß ist eins, wir alle fahren,
Der eine im Winter, der andre im Mai.
Zum Lebenslauf von Hans von Vintler noch kurz:
Geboren am 16.August 1837, aufgewachsen in Meran.
Er entstammt dem Geschlecht der Herren von Runkelstein (Südtirol)
Sein Vorfahre und Namensgenosse Hans Vintler schrieb das Lehrgedicht "Die Blumen der Tugend".
Von all dem Adel blieb Hans von Vintler ausser dem Titel nicht viel, denn die Familie verarmte.
1847 Eintritt ins Meraner Benediktinergymnasium, sowie Tod seines Vaters. Sein Lehrer im Gymnasium war der bekannte Orientalist Pius Zingerle.
1855 Maturitätsprüfung mit Auszeichnung
Vintler reiste schließlich viel umher, studierte u.a. Geschichte in Innbruck
1856 begann er mit dem Studium der Theologie in Brixen, reist 1858 ans Jesuitenkolleg in Rom um seine studien zu vertiefen.
1859 in Innsbruck und ab 1860 in Wien Studium der Philologie
1863 als Germanist in Innsbruck tätig - Veröffentlichung der "Frühblumen aus Tirol", zu denen auch Angelika von Hörmann und J.E. Waldfreund Gedichte beisteuerten; anschließend noch im selben Jahr ging er als Supplent nach Venedig.
Ab 1865 Lehrtätigkeit in Innsbruck und Wien
1870 - 1878 Aufenthalte in Czernowitz, Triest, Innsbruck und Gera, meist als Lehrender oder Journalist tätig
1882 Ehelichung des Frl. Eleonore Stockhammer - der Ehe entstammen 2 Kinder
Von 1880 bis zu seinem Tode am 11. April 1890 unterrichtete er schließlich an der Innsbrucker Oberrealschule.
Quelle: Gedichte von Hans von Vintler, Leipzig 1892
Vielen dank für deine Mühe - Donnerwetter, eine interessante Vita.
Jetzt hat Vintler auch ein Gesicht...so sahen sie aus, die Menschen aus dieser Zeit.
Auf dem Foto wirkt er aber strenger als ich dachte.. habe mir ihn rundlich und gutmütig vorgestellt.
Jedenfalls finde ich es spannend, den Autor von mehreren Seiten betrachten zu können.
In Czernowitz wurde übrigens Rose Ausländer geboren. Aber die beiden haben sich um Jahre verpasst.
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