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Hans von Vintler (Tiroler Dichter, 1837 - 1890)
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Gedichteforum -> Bekannte Gedichte
Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 224
BeitragBeitrag #1 vom 13.03.2008, 20:39  Titel: Hans von Vintler (Tiroler Dichter, 1837 - 1890)  

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Ja, dichten kann heutzutage jeder,
Ich sage nichts dawider;
Nur dichtet der eine Lieder,
Der andere Leder.


(Hans von Vintler)
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Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 224
BeitragBeitrag #2 vom 13.03.2008, 20:53  Titel:   

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Edelweiß

Wie lang wird Floras holder Schar zum Spotte
Als Stern der Blumenwelt uns aufgebunden,
Als Edel=weiß gerühmt von Sängermunden,
Dies fahle Ding, bestäubt wie eine Motte?

Habt ihr denn je - sprecht wahr beim Sonnengotte! -
Es blütenfrisch, es sternenschön gefunden?
Und habt ihr nie für Frauenhuld empfunden,
Daß ihr umwerbt die tückische Kokotte?

Was bessert´s, daß sie nach dem Ätherbogen
Sich suchen läßt, von Klippicht rings umbordet -
Ihr Herz ist welk, ihr Edeltum erlogen.

Und grausam, wie die Rothaut prahlt mit Skalpen,
Mahnt sie der Freier, die sie hingemordet,
Die Modedirn im Blumenreich der Alpen!


(Hans von Vintler)
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jorona

Anmeldedatum: 19.01.2008
Beiträge: 175
BeitragBeitrag #3 vom 13.03.2008, 21:08  Titel: von Vintler  

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Ich kenn ja wenig von Tirol ( weil ich im Ruhrgebiet lebe )....

Aber das

Edelweiß

hats mir angetan.
Unglaublich....mehr davon!

Gruß, jorona
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Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 224
BeitragBeitrag #4 vom 13.03.2008, 22:26  Titel:   

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Die ersten Flocken

Hier im Schläfenhaar nun weiße?
Ei, das kam ja über Nacht!
Sag´, wie deut´ ich dieses leise
Mahnen, dunkle Macht?

Hast du strenge meine Locken
Schon dem Winter zugeteilt,
Oder sind ihm diese Flocken
Neckisch vorgeeilt?

Dunkle Macht, sieh´ hier mein Kindlein,
Auf der Mutter Arm gewiegt,
Wie´s die Ärmchen aus den Windlein
Um das Haupt mir schmiegt;

Sieh´, wie gern dies Händepärlein
Spielt in meinem braunen Haar -
Laß ihm´s noch, wie´s ist, ein Jährlein
Oder auch ein paar!


(Hans von Vintler)
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Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 224
BeitragBeitrag #5 vom 13.03.2008, 22:33  Titel:   

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Die Fahrt ins Düster

Ein Meer mit finstren Wellen flutet
Ums blühende Land des Lebens her;
Es flutet lautlos, und ewiger Nebel
Braut über den Wassern düster und schwer.

Und jeden graut es, die Flut zu befahren,
Doch stößt ihn hinaus eine dunkle Hand -
Ade, mein Schiffer! Da kehrt nicht wieder,
Wer je die Barke vom Ufer band.

Besteht er das Grauen, durchsteuert das Düster
Und setzt er den Fuß auf die seligen Au´n,
Die Leid und Not und sehnende Liebe
Durch Nebel und Düster träumend erschau´n?

Verschlingen die stummen, gespenstigen Wogen
Den Weltverlaßnen, und ist es vorbei?...
Gewiß ist eins, wir alle fahren,
Der eine im Winter, der andre im Mai.


(Hans von Vintler)
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jorona

Anmeldedatum: 19.01.2008
Beiträge: 175
BeitragBeitrag #6 vom 14.03.2008, 07:30  Titel: Vintler  

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Vielen Dank!
Es ist immer schön, wenn man auf neue Gefilde stößt.
Der immer latent vorhandene Humor von Vintler gefällt mir.

"Die Fahrt ins Düster"
erinnert zwar sehr an

"Nis Randers"
von Otto Ernst,

aber das stört ja nicht.

Gern gelesen!
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Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 224
BeitragBeitrag #7 vom 14.03.2008, 17:28  Titel:   

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Hallo!

Zum Lebenslauf von Hans von Vintler noch kurz:
Geboren am 16.August 1837, aufgewachsen in Meran.
Er entstammt dem Geschlecht der Herren von Runkelstein (Südtirol)
Sein Vorfahre und Namensgenosse Hans Vintler schrieb das Lehrgedicht "Die Blumen der Tugend".
Von all dem Adel blieb Hans von Vintler ausser dem Titel nicht viel, denn die Familie verarmte.
1847 Eintritt ins Meraner Benediktinergymnasium, sowie Tod seines Vaters. Sein Lehrer im Gymnasium war der bekannte Orientalist Pius Zingerle.
1855 Maturitätsprüfung mit Auszeichnung
Vintler reiste schließlich viel umher, studierte u.a. Geschichte in Innbruck
1856 begann er mit dem Studium der Theologie in Brixen, reist 1858 ans Jesuitenkolleg in Rom um seine studien zu vertiefen.
1859 in Innsbruck und ab 1860 in Wien Studium der Philologie
1863 als Germanist in Innsbruck tätig - Veröffentlichung der "Frühblumen aus Tirol", zu denen auch Angelika von Hörmann und J.E. Waldfreund Gedichte beisteuerten; anschließend noch im selben Jahr ging er als Supplent nach Venedig.
Ab 1865 Lehrtätigkeit in Innsbruck und Wien
1870 - 1878 Aufenthalte in Czernowitz, Triest, Innsbruck und Gera, meist als Lehrender oder Journalist tätig
1882 Ehelichung des Frl. Eleonore Stockhammer - der Ehe entstammen 2 Kinder
Von 1880 bis zu seinem Tode am 11. April 1890 unterrichtete er schließlich an der Innsbrucker Oberrealschule.

Quelle: Gedichte von Hans von Vintler, Leipzig 1892

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jorona

Anmeldedatum: 19.01.2008
Beiträge: 175
BeitragBeitrag #8 vom 14.03.2008, 18:03  Titel: Vintler  

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Vielen dank für deine Mühe - Donnerwetter, eine interessante Vita.
Jetzt hat Vintler auch ein Gesicht...so sahen sie aus, die Menschen aus dieser Zeit.
Auf dem Foto wirkt er aber strenger als ich dachte.. habe mir ihn rundlich und gutmütig vorgestellt.
Jedenfalls finde ich es spannend, den Autor von mehreren Seiten betrachten zu können.
In Czernowitz wurde übrigens Rose Ausländer geboren. Aber die beiden haben sich um Jahre verpasst.

Sehr schön, dieses Nachwort
Lieben Gruß, jorona
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