Gedichteforum für deutschsprachige Lyrik und Gedichte
LoginLogin  RegistrierenRegistrieren  FAQFAQ  MitgliederlisteMitgliederliste  BenutzergruppenBenutzergruppen  Gedichte-Forum ÜbersichtForenübersicht
22.05.2012, 05:35

Profil Profil
 Einstellungen
 Private Nachrichten
Suchen Suche
 Beitrag, Thema, Autor
 Eigene Beiträge
 Seit letztem Besuch
 Unbeantwortete Beiträge
Suchen Letzte Themen
 Letzte Themen
 Beiträge von heute
 Beiträge seit gestern
 Beiträge letzter Woche
 Zufallsthema
Gesellschaftsverkrustungen
Neues Thema eröffnen    Neue Antwort erstellen
Gedichteforum -> Standorte
Dr. Karg

Anmeldedatum: 09.06.2011
Beiträge: 302
BeitragBeitrag #1 vom 09.07.2011, 07:17  Titel: Gesellschaftsverkrustungen  

Zentrieren
Gesellschaftsverkrustungen

©Hans Hartmut Karg
2011

Die Mobilität heute ist doch nur technischer Natur,
Man amüsiert sich mit jeder Beliebigkeit pur.
Während Familienstrukturen und Lebensgemeinschaften
Sich zerstören oder gar mehr und mehr selbst verhaften,
Weil sie im Gossensumpf ihrer Beziehungen verkrusten,
Wollen uns die präsenten Medien immer eins husten.
Man bleibt gern auf sich selber fixiert, allein mit sich,
Und man kommuniziert – mit Dir, und man liebt Dich!
Auch wenn man hie und da mit der Nachbarschaft grillt
Scheint das planende Leben doch an sich wundererfüllt.
Man kultiviert zunehmend immer dieselben Bilder
Und der Alltag ist geprägt von einem Wald voller Schilder.
So führt man mit langweiligem Treiben ein Telenoveladasein
Und lässt leicht die leidenden, schlummernden Seelen allein.
Was wären das für Tage, würde man sie erst gestalten
Und sie nicht bloß bis zum späten Abend verwalten?
So aber zerfasern sie, fransen sie an den Rändern aus
Und zerstören dabei mutwillig jeden Blütenstrauß.
Sie geraten zur permanenten Lebenszeitverschwendung
Und verschwimmen endlos ohne wirkliche Endung.
Die Natur läuft nur noch nebenher, organisiert, aber planlos
Und treibt den Schwächeren in den machtvollen Schoß.
Alles unterwirft sich der Versklavung durch Virtualität
Und um die Jugend scheint es niemand mehr wirklich zu spät.
Man spricht von Visionen – aber man hat keine mehr,
Dafür redet man davon in allen Kreisen doch sehr.
Man formuliert immer wieder großartige Ziele,
Aber man kommt nicht heraus aus dem Allerweltsgewühle.
Die Ziele setzt man anbetungswürdig in Szene,
Doch lässt man die Umsetzung für sich „alleene“.
Aber Ziele, die niemand mehr umzusetzen gedenkt,
Lassen alles unklar und die Welt in sich verschränkt.
Design jeder Form wird zunehmend zum Sein,
Der Mensch als Mensch aber bleibt für sich allein.
Das Äußere bestimmt alles und die Markenklamotten
Sind alles, was heute noch an echten Marotten.
Sie täuschen uns über die hohlen Seelen hinweg
Und wir merken, wir kommen nicht mehr vom Fleck.
Niemand fragt mehr danach, wo die Kinder bleiben,
Die sich Tag für Tag immer schlimmer entleiben.
Sind nicht deren Vorbildmotivationen schon weg,
Weil alles nur noch gut, was unterworfen dem Zweck?
Die Familien und die Lebensgemeinschaftsformen
Verkommen immer mehr zu exotischen Normen.
Werdet ihr so nicht zu Dauerbewegungsmeldern,
Die zurückkehren zu ihren Hinterwäldlern?
Werdet ihr so nicht zu Durchlauferhitzern degradiert,
Bei denen der Nächste schon nichts mehr spürt?
Wie soll da ein Kind noch Kind bleiben können
Und sich die Kindheit als Refugium gönnen?
Schon gibt es bei uns fast keine Kinder mehr,
Denn das Alter überrollt uns doch steigernd sehr.
Wer nicht ausdrücklich Kinderveranstaltungen besucht
Oder einen Kurztrip in einen Erlebnispark bucht,
Für den ist die wunderbare Kinderwelt passé
Und kalter Kaffee oder gar gestriger Schnee.
Viele Erwachsene agieren, um sich selbst zu produzieren
Und sich für nichts und niemanden zu genieren.
Alte überschwemmen längst alle Märkte der Welt,
Denn meist haben sie ja überall das meiste Geld.
Kinder sind fast nur noch als Dauerbabys geduldet,
Denen man Bilder, aber keine Nähe mehr schuldet.
Sie kommen in Fernsehsendungen zum Vorschein,
Wo nur noch die Gossenintrige wird allgemein.
Wie kann man das alte Europa überhaupt entwickeln,
Wenn wir immer nur provisorisch anstückeln?
Waren es nicht einmal die dynamischen Familien,
Die uns weiter brachten – vom Nordkap bis nach Sizilien,
Die Aushängeschilder und Vorbilder werden konnten
Und die nicht nur schielten nach Kursen und Konten?
Ließen sie sich nicht für Tugenden und Schönheiten verhaften,
Um zu entwickeln wunderbare Gesellschaften?
So aber sehe ich schwarz für die europäische Zunft,
Wo Gestaltungsvernunft hat keine Zukunft.

<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/017a923047c441ca9ec5e27cb8aba4fd" width="1" height="1" alt="">
Benutzer-Profile anzeigen Offline Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Gedichteforum -> Standorte Seite 1 von 1
Neues Thema eröffnen    Neue Antwort erstellen

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


© 2011 Gedichteforum.at | Impressum

Zierfischforum.at | Aquaristik-Zentrum Innsbruck | Aquarium-Kosmos
Besucher gesamt: 223.850 | heute  34 | gestern 167 | online 3 max. 91