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Gedichte der schlimmsten Zeit meines Lebens
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Gedichteforum -> Circus maximus
Kitty



BeitragBeitrag #1 vom 17.04.2009, 22:51  Titel: Gedichte der schlimmsten Zeit meines Lebens  

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Letztes Jahr war ich depressiv und machte eine Therapie zwecks Essstörung. Dabei sind folgende Gedichte entstanden. Das ist das erste Mal, dass ich sie online stelle. Ich würde mal gerne hören was andere davon halten.
(keine Sorge übrigens ;) Inzwischen gehts mir wieder gut!)


Wie Wasser

Ich will sein
Wie Wasser so rein.
So zerbrechlich wie der Vogel in Deiner Hand
und zierlich wie das Blümchen am Wegesrand,
so leich wie bunte Blätter im herbstlichen Wind
und unschuldig wie ein spielendes Kind.



Sinn?

Ihr sagt liebe das Leben es wird Mai
Doch das kann ich nicht.
Ihr sagt Freundschaft und Liebe ist das wofür ich auf Erden sei
doch ich seh sie nicht.

Nichts ergibt Sinn
solange ich gefangen bin
Auf Gedeih und Verderb
In diesem Körper den ich hasse
Bis ich sterb'
und von ihm lasse.

Ihr könnt mich nicht verstehn'
und auch nicht mit mir gehn
Ich will Euch verlassen
um zu verblassen.

Erst wenn ich kaum noch bin,
wenn der Körper der mich bindet
langsam schwindet
Dann erst macht das Leben Sinn.


Tod

Du bist mein Geliebter der sanft mit seinen Flügeln mich berührt
Und mich hinwegträgt aus diesem Leben.
Ich habe genügend Schmerz verspürt.
Mit Dir kann meine Seele schweben,
körperlos fort von dieser Welt
In die ich nicht gehöre.
Mein Herz ist an ihrem Hass zerschellt.
Nur wenn ich durch Hungern mich zerstöre
Kann ich in Deinen Armen liegen
Und mich sicher an Deine duklen Flügel schmiegen.


Lass mich einsam sein

Lass mich einsam sein
Ohne Freunde
Ohne Menschen
Sie enttäuschen

Lass mich einsam sein
denn so soll es sein
ohne Freunde
ohne Menschen
Sie enttäuschen

Lass mich einsam sein
Ohne wir
Ohne uns
allein

Nicht enttäuscht
Aber auch nicht glücklich
Nicht tot
Aber auch nicht lebendig

Lass mich einsam sein


ich

Frag mich wer ich bin und was ich will.
Ich weiß es nicht drum bleib ich still.
Es ist als wär dies "ich" mir fremd,
Ich weiß nicht was es fühlt und denkt.

Sie sagt es sei schlecht.
Ich hab Angst sie hätte Recht.
Es, das "ich" das mich definiert
Wurde zu oft verletzt und hat sich isoliert.

Ist es böse? Ist es gut?
Ist es fröhlich, traurig oder hat es Wut?
Einst war es ein Herz voll Liebe,
Doch erntete es von ihr zu viele Hiebe

Es fühlt sich fremd in diesem Leben
Voll Menschen die ihm keine Liebe geben.
Nur die Einsamkeit und das Spiel mit dem Tod
Bieten Abstand zu dieser Not.


Verloren

Einst war ich ein Teil dieser Welt
Doch Schmerz hat mich entstellt.
Die Familie ist ein Scherbenmeer.
Jeden Tag bin ich gestorben, Stück für Stück.
Mein Herz ist leer.
So fern scheint mir das Glück.

Hinter mir liegt nun das lange Sterben
Ich lebe, doch mein Herz ist tot.
Durchbohrt durch ihre Scherben.
Sie sind beschäftigt mit wichtigerer Not.
Wozu soll der Kampf noch gut sein?
Ich bin allein.
Weshalb noch hoch hinauf?
Ich gebe auf.


Glück

Wie fühlt es sich an
Wenn man so glücklich ist,
dass man aus tiefstem Herzen lächeln kann?
Ist es möglich, dass man es vergisst?
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Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 224
BeitragBeitrag #2 vom 23.04.2009, 17:22  Titel:   

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Hy!

Sehr berührende Texte zu denen man gar nicht viel äußern kann, es sei denn man wollte sie tiefer zerklauben und zerreden. Man erkennt, daß das Schreiben dieser Gedichte für dich vermutlich ein Mittel war zu reflektieren und dich selbst wieder zu er-fassen...und das zu einem Zeitpunkt in deinem Leben, wo du dir vermutlich selbst un-fassbar und nicht-greifbar vorgekommen bist, da sich sowohl der Körper als auch die Seele in einem Zustand der Auflösung befunden haben.

Schön, daß du dich selbst wieder ge-sammelt hast und dich hoffentlich nun auch selbst wieder besser be-greifen und er-fassen kannst.

Mich persönlich sprechen am meisten die Texte "Laß mich einsam sein" und "Glück" an.
LG
Irene

_________________
http://www.ironirene.com/lyrische_selbstversuchung.html
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