Gedichteforum für deutschsprachige Lyrik und Gedichte
LoginLogin  RegistrierenRegistrieren  FAQFAQ  MitgliederlisteMitgliederliste  BenutzergruppenBenutzergruppen  Gedichte-Forum ÜbersichtForenübersicht
19.05.2012, 21:36

Profil Profil
 Einstellungen
 Private Nachrichten
Suchen Suche
 Beitrag, Thema, Autor
 Eigene Beiträge
 Seit letztem Besuch
 Unbeantwortete Beiträge
Suchen Letzte Themen
 Letzte Themen
 Beiträge von heute
 Beiträge seit gestern
 Beiträge letzter Woche
 Zufallsthema
Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)
Neues Thema eröffnen    Neue Antwort erstellen
Gedichteforum -> Bekannte Gedichte
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 803
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #1 vom 04.06.2007, 03:17  Titel: Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)  

Zentrieren
Venedig

An der Brücke stand
Jüngst ich in brauner Nacht.
Ferher kam Gesang:
Goldener Tropfen quoll's
Über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik -
Trunken schwamm's in die Dämmrung hinaus ...

Meine Seele, ein Saitenspiel,
Sang sich, unsichtbar berührt,
Heimlich ein Gondellied dazu,
Zitternd vor bunter Seligkeit.
- Hörte jemand ihr zu? ...
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 803
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #2 vom 09.06.2007, 03:23  Titel:   

Zentrieren
Die Krähen schrei'n

Die Krähen schrei'n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei'n -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt - entflohn?

Die Welt - ein Thor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer Das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg', Vogel, schnarr'
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! -
Versteck', du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei'n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei'n,
Weh dem, der keine Heimat hat!
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 803
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #3 vom 09.06.2007, 03:23  Titel:   

Zentrieren
Nach neuen Meeren

Dorthin - will ich; und ich traue
Mir fortan und meinem Griff.
Offen liegt das Meer, ins Blaue
Treibt mein Genueser Schiff.

Alles glänzt mir neu und neuer,
Mittag schläft auf Raum und Zeit -:
Nur dein Auge - ungeheuer
Blickts mich an, Unendlichkeit.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 803
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #4 vom 09.06.2007, 03:23  Titel:   

Zentrieren
Pinie und Blitz

Hoch wuchs ich über Mensch und Tier;
Und sprech ich - niemand spricht mit mir.

Zu einsam wuchs ich und zu hoch -
Ich warte: worauf wart ich doch?

Zu nah ist mir der Wolken Sitz, -
Ich warte auf den ersten Blitz.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 803
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #5 vom 30.07.2007, 09:51  Titel: Ecce homo  

Zentrieren
Ecce homo

Ja! Ich weiss, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr' ich mich.
Licht wird Alles, was ich fasse,
Kohle Alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich.
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
Beiträge: 803
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #6 vom 30.07.2007, 09:53  Titel: Die Sonne sinkt  

Zentrieren
Die Sonne sinkt

1
Nicht lange durstest du noch,
Verbranntes Herz!
Verheißung ist in der Luft,
Aus unbekannten Mündern bläst mich's an,
- Die große Kühle kommt...

Meine Sonne stand heiß über mir im Mittage:
Seid mir gegrüßt, daß ihr kommt,
Ihr plötzlichen Winde,
Ihr kühlen Geister des Nachmittags!

Die Luft geht fremd und rein.
Schielt nicht mit schiefem
Verführerblick
Die Nacht mich an?...
Bleib stark, mein tapfres Herz!
Frag nicht: warum?-

2
Tag meines Lebens!
Die Sonne sinkt.
Schon steht die glatte
Flut vergüldet.

Warm atmet der Fels:
Schlief wohl zu Mittag
Das Glück auf ihm seinen Mittagsschlaf?
In grünen Lichtern
Spielt Glück noch der braune Abgrund herauf.

Tag meines Lebens!
Gen Abend geht's.
Schon glüht dein Auge
Halbgebrochen,
Schon quillt deines Taus
Tränengeträufel,
Schon läuft still über weiße Meere
Deiner Liebe Purpur,
Deine letzte zögernde Seligkeit...

3
Heiterkeit, güldene, komm!
Du des Todes
Heimlichster, süßester Vorgenuß!
Lief ich zu rasch meines Wegs?
Jetzt erst, wo der Fuß müde ward,
Holt dein Blick mich noch ein,
Holt dein Glück mich noch ein.

Rings nur Welle und Spiel.
Was je schwer war,
Sank in blaue Vergessenheit,
Müßig steht nun mein Kahn.
Sturm und Fahrt - wie verlernt er das!
Wunsch und Hoffen ertrank,
Glatt liegt Seele und Meer.

Siebente Einsamkeit!
Nie empfand ich
Näher mir süße Sicherheit,
Wärmer der Sonne Blick.
- Glüht nicht das Eis meiner Gipfel noch?
Silbern, leicht, ein Fisch
Schwimmt nun mein Nachen hinaus...
Benutzer-Profile anzeigen E-Mail senden Offline Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Gedichteforum -> Bekannte Gedichte Seite 1 von 1
Neues Thema eröffnen    Neue Antwort erstellen

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


© 2011 Gedichteforum.at | Impressum

Zierfischforum.at | Aquaristik-Zentrum Innsbruck | Aquarium-Kosmos
Besucher gesamt: 223.458 | heute  143 | gestern 138 | online 4 max. 91