Beitrag #1 vom 07.11.2008, 17:07Titel: Eine Weihnachtsgeschichte
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Ida hat die Hände zum Gebet gefaltet und betrachtet ihren kleinen Weihnachtsbaum. Ihre
Augen sind feucht, und sie denkt daran wie es früher war. Im alten Radio auf der Kommode
ertönte leise "Stille Nacht, heilige Nacht". Ida denkt an ihren verstorbenen Mann Albert, an
Anna ihre beste Freundin und an Toni ihren Sohn, der in jungen Jahren einem schlimmen
Herzleiden erlag. All ihre Lieben wurden von Gott vor ihr zu sich gerufen. Es machte sie
traurig, und sie war sehr alleine, so wie jetzt an diesem heiligen Abend. Sie setzte sich, senkte
den Kopf und wehrte sich nicht länger gegen ihre Tränen. Manchmal fragte sie sich, wann sie
denn auch endlich gehen dürfe, aber der liebe Gott wird schon wissen was recht ist und
sie glaubte sehr fest an Gott. Ihre Augenlider waren schwer, die Wangen feucht und ihre alten
Hände hielten verkrampft das Taschentuch fest, als es an der Tür klopfte.
Sie erhob sich und ging mit den Bewegungen eines alten, gebrochenen Menschen an die Tür
und öffnete sie.
Ein Junge stand da. Schmächtig klein war er, mit blond gelockten Haaren und wunderschönen
Augen in einem zierlichen Gesicht. Ja, sagte Ida und wischte sich die Tränen aus den Augen.
Ich bin Michael, erwiderte der Junge.
Michael? fragte Ida.
Ja, Michael 154, lächelte der Junge.
154, was bedeutet das? wunderte sich Ida.
Ich bin Michael 154, weil ich als der 154 Engel mit dem Namen Michael in diesem Jahre das
Licht des Himmels erblickte, antwortete Michael vergnügt.
Ida sah ihn fest an, was kann ich für dich tun Michael?
Sie haben gesagt, ich soll dich abholen kommen Ida.
Wer hat das gesagt?
Nun, Albert, Anna, Toni und all die anderen.
Und wie soll das gehen? fragte Ida ungläubig.
Es ist ganz einfach, sagte Michael, gib mir deine Hand und schließe deine Augen.
Ida glaubte nicht so recht, was hier geschah, aber sie tat wie ihr geheißen. Sie fühlte sich ganz
leicht, und es war ihr wohlig warm, Michaels Hand hielt sie ganz fest.
Mach deine Augen wieder auf Ida, sagte Michael.
Ida öffnete ihre Augen und sah in die Runde. Sie meinte zu träumen. Sie war in einem festlich
geschmückten Saal, voll von Menschen an reichlich gedeckten Tischen und einem Christbaum,
so einen schönen hatte sie noch nie gesehen. Und da! Das gab`s doch nicht!
Da war Albert, Anna, Toni und viele Gesichter die sie kannte, alle winkten ihr zu.
Sie ließ Michaels Hand los und ging zu den Menschen, die ihr alles im Leben bedeuteten.
Es wurde das schönste Weihnachtsfest für Ida. Sie weinte, aber nicht aus Gram sondern vor Glück.
In später Stunde ging Ida zu Michael zurück und sagte traurig,
Michael, ich danke dir tief aus meinem Innern. Du hast meinem Herzen eine Zeit der höchsten
Glückseligkeit geschenkt, aber nun ist es spät, und du wirst mich wohl wieder nach Hause
zurück bringen.
Michael sah sie mit seinen schönen, guten Augen an und sagte:
Nein, Ida, dein zu Hause ist jetzt hier. Ich habe dich da unten abgeholt, weil deine Zeit auf der
Erde abgelaufen ist. Du bist jetzt für immer bei uns hier im Himmel und wirst es auch bleiben.
Ida brachte kein Wort mehr hervor. Sie nahm Michael an die Hand, küsste ihn auf die Wange,
und sie gingen zurück zu all den anderen Engel.
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