Auf diesem Platz
bin ich die Statue
Leute, die an mir vorübergehn
erkenne ich am Klang
der Schuhe, dem Takt
ihrer Regenschirme
An meinem Sockel
knüpfen Liebende
ihre Finger ineinander
Manche warten lange
andere ein wenig - ewig
Meinen Mund verklebt Moos
die gemeißelte Lippe
Morgens gegen fünf
Nachtschwärmer klappern
Straßenkehrer sammeln Alu-Dosen
Der erste Fahrradfahrer
zieht vorbei, noch einer
weint mit seinem Rad
um die Straßenecke -
was sie verbirgt?
Oh, dieser quälende Duft
aus der Bäckerei...
Mit meinem Fluchtplan warte ich
bis die Straßen
menschenleer sind
Wenn ich euch so
beim Sterben zusehe ...
Ich habe auch morgen
nichts Besseres vor
als Tränen zu ersparen
echt ein wunderschönes gedicht.
dieser fluchtplan gibt mir zu denken
und durch den satz "meinen mund verklebt moos" lass ich mich lenken;
hier spricht das moos an deinem munde
und fleht dich an endtlich loszugehn
schau auf den platz in diese runde
diese menschen werden dir nichteinmal zusehn
sie sind beschäftigt
haben eigene sorgen
du bist bekräftigt
der platz hat dich lange geborgen
hier spricht das moos an deinem munde
wann wird die flucht losgehn
du bist das medium ich der kunde
ich will endtlich die welt sehn
(die statue)
....oh moos so hör mir zu:
die strasse ist menschenleer
und wir erscheinen im wörtermeer
einer phantasie
(ein dichter sah mich auf dem platz und in seinen gedanken bist du mit mir in gedichtform zu anderen menschen in ihre gedanken weitergereist)
das war die heutige flucht mein schatz
nun komm wir gehn wieder auf den platz
Bis auf den vorgestellten Entwurf bin ich leider noch nicht weitergekommen mit der 'Statue'. Mir fehlt noch ein wenig Volumen, Gründe, warum sie dort steht, welcher Art Statue sie ist. In dieser Form kommt es zu rasch 'zur Sache', der Pointe (Fluchtgedanke). Also entweder kürzen oder den Stoffbären noch ein wenig füttern. Spontan fallen mir - themenverwandt - Rilkes 'Archaischer Torso Apollos' und von Ringelnatz die 'Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte vor dem Wilberforcemonument ' ein. Gestern las ich was von Ron Padgett, einem Amerikaner:
'Wenn ich Birken sehe/Denke ich an nichts/Doch wenn ich ein Mädchen sehe/Das ihre Haare und ihren Verstand wegwirft/Denke ich an Birken und ich sehe sie/Es gibt Schlimmeres als Birken zu sehen'
Ein ähnlicher lakonischer Ansatz täte der Statue auch gut.
Danke fürs Reinlesen - ich werde zusehen, ob sich aus deiner Gedankenreise etwas gewinnen lässt (bin in der Arbeit)
ich habe nicht sehrviel dichtung gelesen....
bis ich überhaupt gemerkt habe dass es in Rilkes gedicht um eine kopflose statue geht...die auch kopflos göttlich bleibt und in ihm(rilke,erzähler) ein schlechtes Gewissen auslöst.
musste es 5 mal lesen.
ja soll aus "der statue" sowas werden musst du den stoffbären fast bis zum platzen füttern und dann anfangen zu kürzen..
ich bin gespannt.
das andere gedicht berührt mich nicht sehr.wahrscheinlich fehlt mir im moment die konzentration um es zu begreifen.
aber rilke fasziniert mich wirklich sehr. seit ich der panther gelesen habe interessiere ich mich für dichtung. dieses gedicht hat in mir so ne art existenzielle krise ausgelöst..."der weiche gang geschmeidig starker sritte der sich im allerkleinsten kreise dreht ist wie ein tanz von kraft um eine mitte in der betäubt ein grosser wille steht..."
warum sperrt der mensch alles ein?inklusive sich selbst...?tja
dieser mann bringt es wirklich mit wenig worten auf den punkt.
wenn ich sowas lese, getraue ich mich gar nicht mehr zu schreiben
>> hat in mir so ne art existenzielle krise ausgelöst
Dann hat das Gedicht seinen Zweck erfüllt. Wenn ich zurückdenke, war das bei mir bei Rilkes 'Herbsttag' der Fall. Ich las es erstmals, als mir ein Zettel einer Interpretation meiner Freundin in die Hand fiel.
>> wenn ich sowas lese, getraue ich mich gar nicht mehr zu schreiben
Schreib mal. Die ersten tausend Gedichte schmeiss nach einem Jahr weg. Das zweite Tausend nach zehn Jahren. Und das Dritte kann dich bis zum Abgang beschäftigen. Und wenns nicht sein soll, wird immerhin ein Lyrikleser aus dir
Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören.
(aus der 1. Duineser Elegie)
Für dich, Prisma (eine schnelle Collage aus deinen Gedanken):
Hier spricht das Moos von meinem Munde:
Es hält dich an, vorbeizugehn.
Schau diesen Platz: Er dreht die Runde,
bleibt in mir stehn, dich anzusehn.
Du stehst versteint. Vorbei rinnt eine Stunde;
Die Tauben flüchten. Sterne wuchten
Widerschein in graue Straßenfluchten.
Einmal wirst du meine Flucht verstehn.
Ich bin die Statue. Du bist der Kunde
für das Dasein. Ich will dich bei mir sehn.
°Spricht hier das moos zur statue...?wen hält es an:den pasanten?die statue....?
°was ist ES...?
°warum vorbeizugehn...?Die Statue hält dich an sie anzusehn.......!
Zitat:
bleib in mir stehn dich anzusehn
wundervoll
°doch spricht dieser satz die Statue und nicht das moos(warum heisst es am anfang hier spricht das moos?).....?
°oder spricht das moos FÜR die statue?
soweit zum ersten abschnitt
wenn das geklärt ist folgen die fragen zu abschnitt 2.
ich erspare mir die komplimente, du bist dir im klaren was du gut machst. un ich habe nicht viel zeit.
Oje, hab Erbarmen mit mir - der zweite Teil war eine 30-Minuten-Übung und ging auch deshalb nur so schnell, weil einem Reime viel an Kreativität abnehmen können. Erinnert mich ein wenig an einen österr. Auswanderer in der Zeit des 2. Wk., der in USA englisch schrieb und feststellte, dass er zwar was anderes meint, aber dann doch lieber das schreibt, was er ausformulieren kann.
Beim Interpretieren eigener Gedichte steht man sehr oft auf verlorenem Posten. Nachdem einiges an Ideen darin von dir stammt, versuch ichs trotzdem mal:
>> Hier spricht das Moos
Stein spricht noch weniger als Moos, das sich immerhin in verschiedene Richtungen wachsend ausbreiten kann
>> Es hält dich an, vorbeizugehn
In diesem Zusammenhang ein Wortspiel, mehr nicht. Jemanden anhalten um etwas: ihn bitten. Um die Hand anhalten - die Formulierung kennst du.
>> Du stehst versteint. Vorbei rinnt eine Stunde;
Die Tauben flüchten. Sterne wuchten
Widerschein in graue Straßenfluchten.
Das 'Du' ist der Betrachter, nicht die Statue selber. Stunde, Tauben, Widerschein der Sterne, Straßen: Fluchtarten, Bewegungsvarianten, die mit dem statischen Satz 'Du stehst versteint' kontrastieren können.
Die Pointe in dem Gedichtlein: Der Betrachter selber ist die Flucht der bewegungslosen Statue. Hier wird projiziert und reflektiert.
Der letzte Vers - weil wir beim Thema Rilke waren - ist eigentlich eine Anspielung auf R. und den A. T. A.: Schlussvers: Du mußt dein Leben ändern.
wegen -hier spricht das moos an meinem munde-:
wenn wirklich das moos spricht, sollte es doch heissen-hier spricht das moos an deinem munde-...?
MEINEM munde, ist aus der perspektive der statue...
abr ok, vieleicht siehst du ja die statue+das moos als EINS....?
-es hält dich an vorbeizugehn-:(=es lädt dich ein vorbeizugehn)hab ich schon richtig verstanden, und das wortspiel hab ich auch wahrgenommen.was mich irritierte: der sinn der worte. warum bittet es dich vorbeizugehn? meiner meinung nach bittet eine statue sie anzusehn, eben gerade wenn es um die flucht, reflektion/xion....? geht.
vieleicht meinst du sie bittet vorbeizugehn weil sie ja stillsteht, und man zwingend früher odr säter vorbeigeht...doch ist das nicht eher eine notwendigkeit, ein art zwang eher als eine bitte?
also meine interpretation :
die statue hält dich an sie anzuSEHN, denn dann bleibst du in ihr stehen um dich anzusehen(aus ihren augen siehst du dich stehen, die statue betrachtend)
die statue hat ewige zeit/ist zeitlos
sie fühlt weder glück noch schmerz, ist aus stein
wenn du durch sie auf dich schaust wird dir bewusst wieviele möglichkeiten du als mensch hättest, die welt positiv zu beeinflussen
(verglichen mit der statue, die ja nur stillsteht, und zum betrachten einlädt und trozdem etwas schönes bewirkt.)
und auch wenn du sooooo viele mittel hast, bist du gehemmt(wenn du überllegst vie wenig mittel die statue hat wieviel sie damit bewirkt im vergleich dazu wieviele mittel wir haben und wie wenig davon wir brauchen)wir sind im vergleich noch viel versteinter als sie....
da will sie dich weinen sehn denn das ist wirklich traurig!weinen aus scham, aus wut aus einsicht der unfähigkeit.....
doch ich bin überzeugt dass dich die statue im innersten aus genuss weinen sehen will. weil sie jegliche art von gefühl mag, sogar beneidet.
ohne schmerz kein glück.
ohne weinen kein lachen.
stein.
zum glück kann ich weinen
wow eigentlich hatte ich vor etwas ganz anderes zu schreiben, aber es fliesst gerade so aus mir heraus.
diese ganze auseinandersetzung ist echt schief jeder objektive betrachter reagiert wahrscheinlich so: hihi
ich find das toll. danke statue fürdie kreativität die du ausgelöst hast.
schon wider eine positive beeinflussung vom starren stein
ich muss jetzt ein bild malen die inspiration lässt nicht nach.
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