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Dem Jubilar
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Gedichteforum -> Humor, Satire, Kinder, Tiere
Brigitte

Anmeldedatum: 25.04.2017
Beiträge: 509
Wohnort: Kaernten
BeitragBeitrag #1 vom 24.02.2018, 18:18  Titel: Dem Jubilar  

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Dem Jubilar
© Brigitte

Wer hat schon einen Stiefbruder von 60 Jahren,
gesund und fit mit graumelierten Haaren,
der schon als Kind ein Doktor werden wollte,
als seine Mama sich nicht mehr erholte?

Ich habe ihn und weiß ihn sehr zu schätzen,
er würde niemals eine Frau verletzen,
sehr viele Paare hat er gut beraten,
die ihn um Hilfe und Behandlung baten.

Am Boden ist er aber stets geblieben.
Den Töchtern, die ihn über alles lieben,
ist er ein Vorbild, wie auch deren Mutter,
und seiner Frau, die Ärztin ist, ein Guter.

Ich kenne die Adressen seiner Praxen,
getrennt sind wir von jeher aufgewachsen.
Er wohnt weit weg, dass ich ihn niemals seh,
bescheiden fährt er glaublich BMW.

Ich wünsche meinem edlen Jubilar,
der lange mir ein Unbekannter war,
er sei, um Gottes Willen, sehr geschickt,
sooft ein Kind das Licht der Welt erblickt.

*

Erklärung zum Gedicht:

Ich fand im Internet einen kargen Text, wo jemand „Dem Jubilar“ ein Gedichtlein schrieb, das vor Selbst-Beweihräucherung nur so triefte. Das war der Auslöser für mein Gedicht, das auf Wahrheit beruht.

Ja, man kann schon stolz sein auf so einen Sohn, ein Halbweisenknabe - seine Mama früh verstorben, sein Vater zog weg um 500 km. Er wuchs bei seiner Großmutter auf, die dann auch verstarb, als er sein Studium begann. Und mein Stiefvater war nur ein Handwerker in handwerklicher Verwendung im Staatsdienst, wo er wenig verdiente, kein Schuldirektor, kein Akademiker. Er hat zwar für sein Kind im Rahmen seiner Möglichkeiten finanziell mehr getan, als er konnte und musste, aber der Junge war allein auf sich gestellt von früher Kindheit an. Er schaffte das Gymnasium, die Matura und das ganze Studium unter schwierigen Bedingungen, das heißt allein auf sich gestellt, seine Großeltern, seine Mutter waren alle nach und nach verstorben.

Mein Stiefvater war auch stolz auf seinen Sohn und sagte zu mir: „Was bist denn du, du bist ja nix, aber mein Sohn ist Arzt. Facharzt mit zwei 3 Praxen. Er hat zwei und seine Frau hat extra eine. Keine Gemeinschaftspraxis.“

Ohne zu bedenken, ich war allein auf mich gestellt, meine Mutter Fabrikarbeiterin ohne Ausbildung, mein Erzeuger abgehauen vor meiner Geburt, keine Alimente bezahlt, mich ignoriert, als wäre ich nicht da. Der Staat hat damals keinen Unterhalt für eheliche Kinder vorausbezahlt. Meine Mama bekam nix für mich. Sie durfte meinen Vater auf Unterhalt klagen. Aber woher nehmen, wenn er arbeitslos oder gar nicht aufzufinden war? Mein Stiefvater hat sein ganzes Geld in seine Kinder investiert. Ich habe nix bekommen. Für meinen Stiefvater habe ich auch nicht existiert.

Wie soll aus einem Kind etwas werden, wo keiner dahintersteht? Und meine Mama hat immer gearbeitet, aber für meine Ausbildung war kein Geld, weil meine Mama für den gesamten Unterhalt meines Stiefvaters aufkommen musste, weil er sein Geld für Zigaretten, sein Puch-Autolein und seine Kinder brauchte. Sie hat nicht kapiert, dass ich wichtiger sein sollte als er. Wegen ihm hat sie immer arbeiten gehen müssen. Ich wurde an meine Oma abgeschoben, weil meine Mutter arbeiten gehen musste bis zu ihrer Pensionierung. Und dann ist sie eh bald unheilbar erkrankt und verstorben als Folge auf die giftige Arbeit.

Ein Kind, wo der Vater Schuldirektor und Akademiker ist, dem alles gerichtet ist im Leben, ist ja direkt verpflichtet zu spuren. Aber ein Kind, das solche Voraussetzungen hatte, wie mein Stiefbruder, der hat gekämpft, dass der dahin kam, wo er heute ist - dem wurde außer Geld vom Stiefvater und Stipendium vom Staat, nichts geschenkt. Der hat es aus eigener Kraft geschafft, weil ihm zumindest etwas Geld dafür zur Verfügung stand, teils auch mutmaßlich aus dem Nachlass seiner Großeltern, auf schnellstem Wege Arzt zu werden. Wie soll es einer schaffen, dem nicht einmal das Geld zur Verfügung steht? Wenn man neben dem Studium arbeiten gehen muss, um sich zu erhalten, wie soll man die Termine an der Uni wahrnehmen und Zeit haben, zu lernen? Das ist die Realität und daran scheitern viele der wenigen Arbeiterkinder, die ein Studium beginnen. Die Arbeiterkinder sind auch nicht alle dumm, aber das Geld, der Background und die Beziehungen stehen halt nicht allen zur Verfügung, selbst wenn sie „spuren“. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Ich finde es deswegen sehr überzogen zu sagen, ich bin Schuldirektor und Doktor und stolz auf meinen Sohn, der ist Arzt. Das ist doch eine Selbstverständlichkeit, das sind solche Kinder ihren Eltern pflichtschuldig.

Brigitte
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Ralfelinchen

Anmeldedatum: 01.11.2017
Beiträge: 216
BeitragBeitrag #2 vom 24.02.2018, 18:26  Titel:   

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da fehlt was bei STIEF liebe brigitte...
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