Es lebte in dem stillen Glauben,
Als Frau Beständigkeit zu leben,
Und niemand dürfe Unschuld rauben,
Wo es nicht Zustimmung gegeben.
Es lebte in den Tag hinein,
War redefreudig immerdar.
Es wollte stets nur Freundin sein –
Und Jungfrau, das war allen klar.
Die vielen, vielen, vielen Frauen,
Die es an seiner Seite hatte,
Genossen allzeit sein Vertrauen,
Damit Wohlwollen es beschatte.
Ihm fehlte nichts, so meinte es,
Kein Mann es je verführte.
Es lebte niemals in Manie,
Dass Torschluss ihm gebührte.
Und mit der Welt so ganz im Reinen
Verlebte es die schönsten Jahre.
Mit Mutti aß es nur vom Feinen,
Damit an Schönheit es nicht spare.
Das Leben war ein buntes Treiben
Im Strome der Alltäglichkeiten.
Die Liebe ließ es gänzlich bleiben,
So musste es mit niemand streiten.
Und als die Freundinnen gegangen,
Die Mutti nicht mehr lebend weilte,
Da lebte es, den Raum verhangen,
Im Ruhestand, es nichts ereilte.
Ganz friedlich schloss mit hundert Jahren
Das Jungferchen die hellen Augen.
Da lag es, schön, mit weißen Haaren,
Und rund herum nur Gottesaugen.
Still war es in die Welt gekommen
Als Wesen, von dem nichts mehr blieb.
Ergeben hat es angenommen
Ein Schicksal, das ihm herzlich lieb. <img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/0e75014c2b594ec882bfc50a375b45c6" width="1" height="1" alt="">
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