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20.08.2018, 10:46

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Bitten wir den Herrn
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Gedichteforum -> Begegnungen
Brigitte

Anmeldedatum: 25.04.2017
Beiträge: 541
Wohnort: Kaernten
BeitragBeitrag #1 vom 31.07.2018, 18:31  Titel: Bitten wir den Herrn  

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BITTEN WIR DEN HERRN
© Brigitte

Bitten wir den Herrn, dass sie verzichten,
uns hinterher schlecht auszurichten,
wenn wir sie wieder nach Hause schicken.

Hoffen wir im Herrn, dass sie durchblicken,
dass wir sie verwöhnen,
und dass wir auch ohne sie können.

Danken wir dem Herrn für unsere Bibel
und für all seine Liebe,
die anderen zuvorkam.

Denn sonst hätten wir hier einen anderen Glauben,
würden gesteinigt und geschunden,
und hätten nie zur Ruhe gefunden.

Heilig sei uns die europäische Ruh,
preisen wir den Herrn mit einem Rendezvous
in aller Stille in einer Kapelle.

Unser Gebet sei unsere Quelle,
denn dort werden wir unter uns sein,
dort kommt von den anderen niemand hinein.

*
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Namazu

Anmeldedatum: 05.04.2007
Beiträge: 95
BeitragBeitrag #2 vom 02.08.2018, 11:23  Titel:   

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Erinnert mich sehr an Polt: "Ein Paradies ist immer dann, wenn einer da ist, der wo aufpasst, dass keiner reinkommt". Nur dass es beim Polt sarkastisch gemeint war.

Wäre ich gläubig, würde ich den Herrn um mehr Mut bitten - wir haben alle so viel Angst. Ein bisschen Angst ist gut, aber viel Angst ist in der Regel einfach nur gefährlich - egal in welchen Lebensbereichen. Ich glaube, es ist wichtig, manchmal zu riskieren und über die Grenzen zu schauen, sonst zieht man sich seine Sicherheitszone doch immer noch kleiner zusammen und hat immer noch mehr Angst.

Persönlich habe ich es mehr mit Damien Saez als mit einer "europäischen Ruh":
"Tu sais moi mon Européenne
Elle a pas vraiment de frontières
Son corps c'est la planète entière
N'en déplaise au peuple bourgeois
Tu sais mon Européenne à moi"
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Brigitte

Anmeldedatum: 25.04.2017
Beiträge: 541
Wohnort: Kaernten
BeitragBeitrag #3 vom 02.08.2018, 16:11  Titel:   

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Hallo Namazu,

vielen Dank für die Ergänzungen. Natürlich kann man auch um Mut beten. Ich habe nur darüber nachgedacht, ob vielleicht die Religion damit was zu tun hat, ob afrikanische und asiatische Gebiete Pulverfässer sind oder, wie in Europa, Frieden genießen, da sie sich unter anderem in der Religion unterscheiden und ob wir wohl auch diesen Frieden hätten, wenn seinerzeit die Türken vor Wien nicht gestoppt worden wären und wir in Folge dessen in Mitteleuropa heute Islam hätten. Es könnte durchaus sein, dass wir den Frieden der christlichen Religion verdanken, dazu muss man gar nicht gläubig sein. Ich bin auch nicht gläubig erzogen, aber christlich getauft. Man muss ja nicht gläubig sein, um ein anständiger Mensch zu sein.

Ich schicke einen ganz lieben Gruß
Brigitte
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Namazu

Anmeldedatum: 05.04.2007
Beiträge: 95
BeitragBeitrag #4 vom 03.08.2018, 00:17  Titel:   

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Dazu könnte ich viel schreiben, ich entscheide mich für die kurze Variante.

Das Argument mit der christlichen Religion überzeugt mich nicht. Europa blickt auf eine lange christliche Geschichte zurück – aber auch auf eine sehr kriegerische und blutige Geschichte.

Zur Legitimation von Kriegen schrieb man sich immer gern Ideologien auf die Fahnen. Wie viele Kriege nannte man „heilig“ und „gerecht“, wieviel Ausbeutung, Eroberung, Unterdrückung und Versklavung rechtfertigte man mit der erhabenen Stellung des zivilisierten christlichen Menschen. Genau diese Abgrenzung, dieses sich von einem Gott abgesegnete moralisch überlegen fühlen und damit kleine und grosse Gemeinheiten jeder Art zu rechtfertigen, das sehe ich als Gefahr, unabhängig davon, von welcher Seite es kommt.

Freundliche Grüsse
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Brigitte

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Beiträge: 541
Wohnort: Kaernten
BeitragBeitrag #5 vom 03.08.2018, 07:43  Titel:   

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Guten Morgen, Namazu!

Danke für die Erweiterungen. Ich meine, die kürzeste Variante ist, wir sind da schon Jahrhunderte durch, wo andere noch durch müssen.

Niemand hat unser Volk seinerzeit bedauert, diese Entwicklungsschritte zu gehen. Auch sind wir im christlichen Sinne erzogen, ob wir gläubig sind oder nicht.

Die Legitimation von Kriegen ist ein Entwicklungsschritt, der halt mit dabei ist unter anderem, wie angesprochene (Zitat:) Ausbeutung, Eroberung, Unterdrückung und Versklavung.

Unseren Gesetzen liegt die Bibel zugrunde. Es baut alles auf die Religion auf. Man kann sich dem nicht entziehen.

Mit lieben Wünschen für ein friedliches Europa,
Brigitte
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Namazu

Anmeldedatum: 05.04.2007
Beiträge: 95
BeitragBeitrag #6 vom 03.08.2018, 10:54  Titel:   

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Guten Morgen!

"Ich meine, die kürzeste Variante ist, wir sind da schon Jahrhunderte durch, wo andere noch durch müssen."

Diese optimistische Einschätzung teile ich nicht. Das würde einerseits voraussetzen, dass wir uns linear entwickeln und aus der Geschichte lernen, das tun wir aber leider nicht. Andererseits können wir auch kaum ernsthaft behaupten, die europäische Geschichte sei seit Jahrunderten friedlich.

"Niemand hat unser Volk seinerzeit bedauert, diese Entwicklungsschritte zu gehen."

Welches Volk und wann konkret? Und warum "unser"? (Um mal wieder Polt zu zitieren: "Ich bin allergisch gegen das Wirgefühl. Alle reden ja heutzutage vom Wir, aber wer ist das? Ich bin es jedenfalls nicht. Und ich kenne viele, die sind es auch nicht. Das Wort "wir" hätte es verdient, zum Unwort des Jahres gewählt zu werden." Gerhard Polt im Zeit-Interview, Ausgabe 50, 2010)
Und sollte das überhaupt eine Rolle spielen in Bezug darauf, wie wir uns gegenüber anderen verhalten?

"Auch sind wir im christlichen Sinne erzogen, ob wir gläubig sind oder nicht."

Unsere Gesellschaft basiert zu einem grossen Teil auf christlichen Werten, das ist richtig, allerdings keineswegs ausschliesslich und glücklicherweise sind wir durch die Trennung von Religion und Politik in der Lage, uns selbst zu entscheiden, wo wir uns wiederfinden wollen - das halte ich für einen zentralen Aspekt. Ethik und Richtlinien fürs Funktionieren des sozialen Zusammenlebens sind auch ohne Religion möglich.

"Die Legitimation von Kriegen ist ein Entwicklungsschritt"
Kriege werden immer irgendwie legitimiert, Krieg involviert Risiko, Opferbereitschaft, Kosten und vor allem Sterben, auch für die eigenen Leute, und das wird immer irgendwie gerechtfertigt, sonst macht ja am Ende keiner mit - ich tue mich schwer damit, das als "Entwicklungsschritt" zu betrachten.

"Unseren Gesetzen liegt die Bibel zugrunde. Es baut alles auf die Religion auf."
Unsere Gesellschaft mag zu einem grossen Teil auf christlichen Werten basieren und davon durchzogen sein, aber unsere Gesetzgebung bezieht sich zum Glück nicht auf die Bibel. Die Bibel enthält eine Menge Allgemeinratschläge, die sich auf ein soziales Miteinander beziehen. Aber das ist ein historisches Buch, als dolche habe ich es mehrfach gelesen, und deshalb würden wir einen sehr grossen Teil der dort vorgeschlagenen Gesetze nicht mehr anwenden wollen Zwinker
Und sie steht damit auch nicht allein, das findet man in anderen religiösen Schriften genauso.

Abgesehen davon gibt es doch so gibt so viel anderes, worauf die europäische Kultur (und im übrigen auch unsere heutigen Gesetze - nicht umsonst lernen Juristen noch lateinisches Recht) auch aufbauen. Und was ist mit der Philosophie, dem Humanismus, der jüdischen Kultur, das sind/waren doch auch zentrale Betsandteile unserer Kultur und Geschichte.

"Mit lieben Wünschen für ein friedliches Europa,"

Dem schliesse ich mich an.
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Brigitte

Anmeldedatum: 25.04.2017
Beiträge: 541
Wohnort: Kaernten
BeitragBeitrag #7 vom 03.08.2018, 13:13  Titel:   

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Hallo Namazu,

>Ethik und Richtlinien fürs Funktionieren des sozialen Zusammenlebens sind auch ohne Religion möglich.<

Ja prinzipiell sollte es so sein. Das kommt aber nicht von nichts. Das ging den Weg über die Religion und dauerte eine lange Entwicklungszeit. Jahrhunderte, Jahrtausende, viele, viele Generationen.

Die Bibel ist eine Anleitung zum friedlichen Leben, eine Gebrauchsanweisung, ein komplizierter Beipacktext, den gelehrte Vorfahren für Nachkommen hinterlassen haben, das ist eine Art Gesetzbuch, das aber weniger kompliziert ist, als die weltlichen Gesetzbücher heute. Ob sich alles andere, also Kultur, etc, davon heraus entwickelte oder parallel unabhängig davon, das weiß ich doch nicht. Das habe ich nicht studiert. Nach meinem Gefühl ist beides möglich oder es spielt beides zusammen.

Auf eine friedliche Welt!
Brigitte
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Namazu

Anmeldedatum: 05.04.2007
Beiträge: 95
BeitragBeitrag #8 vom 03.08.2018, 14:13  Titel:   

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"Ja prinzipiell sollte es so sein. Das kommt aber nicht von nichts. Das ging den Weg über die Religion und dauerte eine lange Entwicklungszeit. Jahrhunderte, Jahrtausende, viele, viele Generationen. "

Für Reflexionen über die Natur des Menschen und der Zusammenhänge der Welt braucht es nicht unbedingt Transzendenz, wenngleich sie im Hintergrund eine Rolle spielen kann. Wo wären wir ohne Platon?

Und ich glaube, man die Bibel im Grunde nicht einmal auf eine Anleitung für ein friedliches Miteinander reduzieren kann. Teile davon sind es, es ist ein Aspekt davon. Und vieles davon ist keine neue Erfindung der Christen.

Daneben gibt es aber auch andere zentrale Elemente in der Bibel. Die Abgrenzung einer Gruppe, die sich als "Christen" fasst, gegenüber anderen Gruppen, die im neuen Testament zunehmend aggressiver zu Tage tritt, etwa. Das lässt sich etwa anhand des zunehmend ausgeschmückten Judasbildes fassen. Im Kontext der Entstehungszeit überrascht das auch kaum - eine junge Religionsgemeinschaft wollte Macht und Einfluss gewinnen und das funktioniert zum Teil nun auch darüber, indem anderen der Boden abgegraben wird.

Die Frage ist immer, wie man mit all dem umgeht, was da zu finden ist. Wie unterschiedlich diese Zugänge sind, zeigen die vielen Kanonisierungswellen, die Streitigkeiten um Deutungshoheiten, um Übersetzungen, die Absplitterung von Teilgruppen.

Für mich ist die Bibel ein historisches Buch, nicht mehr und nicht weniger. Wenn jemand was positives daraus für sich ziehen kann, dann sei das jedem gegönnt. Die Linie liegt für mich da, wo den anderen die Freiheit abgegraben wird: Davon auszugehen, dass das für andere genauso funktionieren muss und der Glaube die eigene Gruppe über andere erhebt, ist für mich Hybris.
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Brigitte

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BeitragBeitrag #9 vom 03.08.2018, 19:08  Titel:   

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Die Selbstüberschätzung - sich über andere zu erheben - wird es wahrscheinlich in allen Religionen geben. Aufgefallen ist es mir auch schon. Das scheint eine Eigenschaft des Menschen zu sein und muss nicht unbedingt mit Religion was zu tun haben, wird aber leider eingesetzt sogar innerhalb einer Religion. Ist ein Fehler, prinzipiell, kann und soll man so sehen und erkennen. Da bin ich auch dieser Meinung.
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