Gedichteforum für deutschsprachige Lyrik und Gedichte
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Badewannenbesprechungen mit dir
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Gedichteforum -> Helle Gedichte
Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 228
BeitragBeitrag #1 vom 05.04.2008, 23:40  Titel: Badewannenbesprechungen mit dir  

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Badewannenbesprechungen mit dir

Mein Fuß kitzelt
dein Ohr -
unter meine Achsel
wühlt sich der deine.

Der Schaum
vergeht,
es erblühen
Knospen.

Die Haare
deiner Brust -
im Wasser
tiefschwarz.

In deinen Augen
versinken...
Die Badewanne
ist zu klein dafür.

Mir wird kalt.
Du läßt
heißes Wasser ein -
gemeinsam umrühren.

Unsere Gespräche
bereisen
unendliche
Gedankenräume.

Wir treffen uns
wieder
über die Seife
verhandelnd.

Hier sind wir
wir.



Wieder mal eine Premiere für mich...mein erstes romantisches Gedicht.
LG
Irene
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jorona

Anmeldedatum: 19.01.2008
Beiträge: 175
BeitragBeitrag #2 vom 06.04.2008, 13:43  Titel:   

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Mh.. liebe Irene,
Nun, da es dein Esrtes is, was mit Liebe zu tun hat, will ich nicht meckern,nur aufmerksam machen:

Dein Gedicht wirkt merkwürdig konstruiert - fast wie ein Protokoll in Strophen -
nur eben ohne lyrische Geschmeidigkeit.

Bei Liebesgedichten wie diesem
kann man ein solches Thema gut fassen - aber es sollte wenigstens einen Hauch von von Weichheit haben

Dazu würde ich mehr fließende Verbindungen setzen von Strophe zu Strophe, damit es zu einem Ganzen zusammenfließt.


Diese schöne Strophe:

"Unsere Gespräche
bereisen
unendliche
Gedankenräume."

gefällt mir ausnehmend gut -
aber sie steht leider ebenso solitär da, wie die anderern Strophen -
jede so für sich.

Man kann das als Kunstgriff begreifen - aber bei einem Liebesgedicht wirkt es so nicht.

"Hier sind wir wir" > gut, das bedarf keines Kommentars .
Schöner fänd ich : "Hier sind wir in / bei uns". .o.ä.

Aber nicht verzagen, Irene , lass dir ruhig Zeit.
Tirol ist auch nicht an einem Tag erbaut worden!


Ich stell hier mal demnächst was rein (hab Blut geleckt) und dann arbeiten wir weiter, wenn du magst.
Lieben Gruß und schönen Restsonntag,
jorona
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Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 228
BeitragBeitrag #3 vom 06.04.2008, 15:01  Titel:   

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Hy!

Danke fürs Feedback - ich werde mich auf jeden Fall noch einmal dransetzen.
Bei einem Liebesgedicht habe ich immer panische Angst für Schwülstigkeiten...deshalb habe ich auch so lange zugewartet bis ich mich dran getraut habe. Und vermutlich klingt es deshalb auch so protokollhaft.

LG
Irene

_________________
http://www.ironirene.com/lyrische_selbstversuchung.html
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jorona

Anmeldedatum: 19.01.2008
Beiträge: 175
BeitragBeitrag #4 vom 06.04.2008, 17:03  Titel: Badewannenblues  

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Mit dir kann man gut arbeiten, Irene...muss mal gesagt werden..


Ja , richtig - Schwulst im Liebesgedicht sollte man unter allen Umständen vermeiden - es gibt kaum was Schlimmeres.

melde mich morgen nochmal, lieben Gruß, j.
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jorona

Anmeldedatum: 19.01.2008
Beiträge: 175
BeitragBeitrag #5 vom 07.04.2008, 10:01  Titel: Liebe und andere Unfälle  

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So, liebe Irene,

Also,
Ein Liebesgedicht nicht zu lang machen -
die Länge macht es nicht besser. Auch in vier Zeilen kann viel Gewicht stecken.

- Die Reimform besser meiden ( nur ein absoluter Könner sollte sich an Liebesreime ranmachen) -
Das Wort Liebe nicht (zu oft oder gar nicht)erwähnen - es muss aus dem Gedicht aufsteigen wie der Geist aus der Flasche.

Manchmal zerquetscht man einen guten Ansatz durch zu bemühte
Stropheneinteilung. Vorsicht: sensibel damit umgehen.

Ich selbst finde die Strophenform ungeeignet für Liebesgedichte; für mich wäre das wie ein Gefängnis für den Verlaufsfluss.
Daher fbei mir nur Prosagedicht mit oder ohne Enjambements.

Die Worte so wählen, dass der Sinn sich nach allen Seiten öffnen kann. Keine Festlegung, keine Fakten - sondern schwebende Lyrik - die auch mal deftig sein darf.

Hierl zwei unterschiedliche Liebesgedichte aus meinem Fundus:

"Atemmüde

lagen wir ineinander
und träumten uns
fort bis der Mandelduft
verflogen war

nur die Mulde
im Laken
erinnerte noch
manchmal an dich."

-----
Ein expressionistisches dagegen:

"Er trägt lippenrot,

stiehlt Federn
für Liebesnester
im Blaulicht
fremder Augen,
heimatlos
in Zweifarbigkeit."

..ich weiß, das ist gewöhnungsbedürftig, aber ich mag es sehr.

---------------------------
"Als du gingst

lagen da noch
deine Liebesworte
unbenutzt
nun liegen sie mir
auf der Zunge
und wünschen,
dass ich sie
im Munde führe
ohne Bitterkeit."

---------so erstmal.
Bis dann, später!
jorona
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jorona

Anmeldedatum: 19.01.2008
Beiträge: 175
BeitragBeitrag #6 vom 07.04.2008, 12:10  Titel:   

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So, musste grad zum Tüv.

Also, versteh es nicht falsch, Irene - das sind beileibe keine tollen Gedichte -
aber sie sind so gehalten, dass der Leser eigene offene Stellen aufstöbert, die energetisch weiterwirken, wenn er es will.
Gruß, jorona
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Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 228
BeitragBeitrag #7 vom 09.04.2008, 21:09  Titel:   

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Sodala...was jetzt daraus geboren wurde, mag vielleicht noch viel skurriler und eigentümlicher sein als sein Vorgänger, aber ich kann nicht anders - es muß raus, sonst zerplatze ich.
Hach, was für ein Rausch!

Wir verknoten uns
in vertrauter Manier -
verschmelzend zu einem
phantasmagorischen
Körperkonstrukt.

Zwei Eingehüllte
in einem Kokon
zerplatzender Seifenblasen
halten Ausschau
nach knospenden
Verheißungen.

Flottieren Gespräche
freischwebend
durch unendlich
verschachtelte
Gedankenräume.

Wir Kosmonauten
der Badewanne
landen erst wieder
um die Seife
verhandelnd.


Ich bin selbst zutiefst schockiert ob meiner feuerwerksähnlichen Beschreibung einer Badewannenszene - steinigt mich...aber bitte nicht mit Ziegelsteinen Überrascht!
Wieder keine Weichheit im Text...ich krieg das einfach nicht hin - meine Schwulstphobie scheint sich nur auf Liebesgeflüster zu erstrecken - schrulligen Schwulst produziere ich offenbar eimerweise...oh Gott, ich kann nicht mehr aufhören. Hilfe!

LG
Irene
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jorona

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Beiträge: 175
BeitragBeitrag #8 vom 10.04.2008, 07:02  Titel:   

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Es geht nicht nur um Schwulst oder dessen Vermeidung,
sondern vielmehr um ein flüssiges und geschmeidiges Ganzes. Und da zeigen sich Schwächen. Man kann alles mögliche in das Gedicht packen, aber in der von dir gewählten Form seh ich das nicht..
Das führt allzu gern zu einem "Strophenleiern" und ebenso dazu, dass man zu wenig Platz für die Feinheiten hat - denn dazu bieten Strophen wie deine zu wenig Raum.

Sie wirken - s.o. - jede einzeln wie in den Boden gerammt. Und bewegen sich nicht mehr.
Vielleicht versuchst du es wirklich mal mit einem leichten, kürzeren Prosagedicht.
Ich denke, dass du eher Formprobleme hast.
Schrullen können aber ein schönes Stilmittel sein...

Alles wird gut!
bis dann, jorona
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Villon´s Krückstock

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Beiträge: 228
BeitragBeitrag #9 vom 10.04.2008, 07:46  Titel:   

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Hy!

Ich wollte einfach den Inhalt nicht zu sehr verkürzen, da Badewannenbesprechungen eben einen bestimmten szenischen Ablauf haben:
- den komplizierten Einstieg zweier Leute in eine viel zu enge Badewanne
- den dazugehörigen Schaum, der sich auflöst
- Auschweifende Gespräche über Gott und die Welt
- Das Sich-wieder-sammeln

Zitat:

Man kann alles mögliche in das Gedicht packen, aber in der von dir gewählten Form seh ich das nicht..


Im Prinzip nur 4 Sätze - leider ergeben sich aus denen automatisch auch 4 Strophen. Wie könnte man, ohne den Inhalt komplett zu destruieren, das Ganze flüssiger machen?

Zitat:
Alles wird gut!

Smile

LG
Irene
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jorona

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Beiträge: 175
BeitragBeitrag #10 vom 10.04.2008, 07:52  Titel: Badgedanken  

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Ich kümmer mich so bald wie möglich drum, Irene
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jorona

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Beiträge: 175
BeitragBeitrag #11 vom 10.04.2008, 10:26  Titel:   

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Wir verknoten uns > "Komm, lass uns
in vertrauter Manier - > verknoten, verschmelzen -
verschmelzend zu einem > ineinander atmen,
phantasmagorischen > Wellenweich in vertraute
Körperkonstrukt. > Körperwelten gleiten"

Eine Möglichkeit von Vielen :So kann man es auch angehen - es ist flüssiger und hat mehr Charme.

"phantasmagorisch" ist ein netter Ausdruck, aber er macht hier die Lyrik kaputt, ebenso wie "Körperkonstrukt"

Nicht an den Lieblingsausdrücken kleben, sondern einfach IMMER auf Geschmeidigkeit und fließende Übergänge achten.

So, muss nochmal raus.
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jorona

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Beiträge: 175
BeitragBeitrag #12 vom 10.04.2008, 11:18  Titel:   

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Zwei Eingehüllte > zwei eingehüllte Gestalten
in einem Kokon > auf Seifenblasenjagd
zerplatzender Seifenblasen > entsteigen lächelnd
halten Ausschau > dem zerplatzten Kokon
nach knospenden > Ausschau haltend
Verheißungen. > nach neuen Liebesverheißungen

------

Fazit: Man kann (fast) alles machen, auch jenseits der Reim- und Strophenzwänge.
Aber es muss gut sein und eine Melodie haben.

Versuch mal, die anderen Strophen eben in dieser (von mir vereinfachten) Weise zu überdenken.
Einfach bisschen basteln.
Lieben Gruß, jorona
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jürgen h.

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Beiträge: 794
Wohnort: Tirol
BeitragBeitrag #13 vom 10.04.2008, 11:43  Titel:   

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Phantasmogorisches

Konstrukt -
der Körper

Was du so
denkst
wenn der Tag
lang ist

wie eine
Badewanne
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jorona

Anmeldedatum: 19.01.2008
Beiträge: 175
BeitragBeitrag #14 vom 10.04.2008, 12:37  Titel:   

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Oje, Jürgen!
Ihr verliebt euch hier zu sehr in tolle Wortkonstruktionen.

Ich denk, man sollte nicht gleich von null auf hundert beschleunigen.
Erstmal die Worte, den Duktus leicht verändern. Der Sinn ist zweitrangig, wenn die Melodie gefunden ist.

In diesem Sinne würde ich glatt die ersten drei Zeilen deines Konstrukts weglassen.
Der Rest ist wunderbar, Bravo!.

Lieben Gruß, Barbara
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Villon´s Krückstock

Anmeldedatum: 03.09.2007
Beiträge: 228
BeitragBeitrag #15 vom 10.04.2008, 15:47  Titel:   

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Hallo!

Danke erstmal für das konstruktive und ausführliche Feedback.

Ich werde da noch etwas versuchen - wenns diesmal wieder nicht klappt, dann wird das erst mal auf Eis gepackt.

LG
Irene
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