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[aus Wikipedia]: Haiku, Senryu, Tanka, Renga
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Gedichteforum -> Kleine Worte -> Haiku
jürgen h.

Anmeldedatum: 05.01.2007
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BeitragBeitrag #1 vom 29.01.2007, 02:44  Titel: [aus Wikipedia]: Haiku, Senryu, Tanka, Renga  

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Haiku
Ein Haiku (jap. 俳句, lustiger Vers) ist eine japanische Versdichtung.

Geschichte
Vorläufer des Haiku waren das Tanka (5-7-5 und 7-7 Moren) und das Renga (eine Kette von Tanka). Ursprünglich verfassten mehrere Dichter Tanka bei geselligen Anlässen in gemeinsamer Improvisation. Der erste Dichter schuf das Hokku (Oberstrophe, 5-7-5) der zweite das Matsuku (Unterstrophe, 7-7). Diese Form des gemeinsamen Dichtens war auch als Waka (Antwortgedicht) bekannt. Später dichtete man in größeren Gesellschaften ganze Ketten von Tanka in einer Art Gesellschaftspiel. Damit war das Haikai-Renga entstanden. Die Strophen knüpften motivisch aneinander an.

Aus dem 13. Jahrhundert finden sich die ersten belegten Herauslösungen des Hokku als eigenständige lyrische Form. In der folgenden Zeit war das Hokku als Scherz- und Witzgedicht bei Hofleuten und Samurai beliebt. Ab dem 15. Jahrhundert begann sich das Hokku neben dem Tanka als eigenständige Versform zu etablieren. Noch ging es vorrangig um das Spiel mit Worten und Bildern.

Erst im 16. Jahrhundert mit Beginn der Edo-Periode entstand die Form, die wir heute als traditionelles Haiku bezeichnen. Voraussetzung dafür waren einige Besonderheiten der Edo-Periode. Die Gesellschaft war geprägt durch ein feudalistisches Klassen- und Ständesystem. Zudem schottete sich Japan fast vollständig nach außen ab. So entstand eine in sich geschlossene, scheinbar unveränderliche Welt. Durch dieses genau definierte Werte- und Symbolsystem hatten Dichter und Rezipienten über Jahrhunderte einen gemeinsamen, klar abgegrenzten Verstehenshintergrund. Veränderungen fanden nur im Detail statt. Und so war die Entwicklung der lyrischen Form Haiku geprägt von der Bemühung den noch treffenderen noch genaueren Ausdruck zu finden und nicht davon, Traditionen zu hinterfragen oder gar neue Formen zu entwickeln. Daher blieben Form und Inventar über Jahrhunderte hinweg so gut wie unangetastet. Wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Kunstform Haiku hatte das Gedankengut des Zen-Buddishmus.

Der erste große Haiku-Dichter war Matsuo Basho (1644-1694), dessen Frosch-Haiku wohl das meistzitierte Haiku der Welt ist:

古池や furu ike ya Der alte Weiher
蛙飛び込む kawazu tobikomu Ein Frosch springt hinein
水の音 mizu no oto Das Geräusch des Wassers

Große Haiku-Dichter waren zudem Buson und Kobayashi Yataro, genannt Issa, aus der Provinz Shinano. Issa brach zuweilen mit der konventionellen und erstarrten 5-7-5-Form. Seinen Werken, die der zunehmenden Sophistizierung der Haikus eine Absage erteilten, liegt eine tiefe Liebe zu Mensch und Kreatur zugrunde, die oft mit einem feinen Schuss Humor gewürzt waren:

Auf dem Seerosenblatt der Frosch
aber was macht er
für ein Gesicht?


Wann der Begriff Haiku geprägt wurde ist umstritten. Einige schreiben ihn Masaoka Shiki (1867-1902) zu. Andere Autoren sprechen aber auch davon, dass sich der Begriff bereits zu Zeiten Bashos durchzusetzen begann. Die Zusammensetzung erfolgte wahrscheinlich aus Haikai (Haikai-Renga) und Hokku.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Haiku aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #2 vom 29.01.2007, 02:45  Titel: Allgemeines  

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Allgemeines
Aus dem Vorwort des Kokinshu (Sammlung alter und neuer Gedichte) aus dem Jahre 905 stammt folgendes Zitat:

„Die japanische Dichtung hat als Samen das menschliche Herz, und ihr entsprießen unzählige Blätter von Wörtern. Viele Dinge ergreifen die Menschen in diesem Leben: sie versuchen dann, ihre Gefühle durch Bilder auszudrücken, die sie dem entnehmen, was sie sehen und hören.“ [1]
Dietrich Krusche nennt Prinzipien die im Regelfall für das Haiku gelten: Ein Haiku ist konkret. Gegenstand des Haiku ist ein Naturgegenstand außerhalb der menschlichen Natur. Abgebildet wird eine einmalige Situation oder ein einmaliges Ereignis. Diese Situation bzw. dieses Ereignis wird als gegenwärtig dargestellt. Im Haiku findet sich ein Bezug zu den Jahreszeiten.[2]

Die dargestellten Dinge sind Repräsentanten erlebter Momente und der damit verbundenen Gefühle. Die Natur spiegelt die Seele. Objekte werden stellvertretend und symbolhaft benutzt. Ein Bild als Beispiel: Fallende Blätter, Assoziation: Herbst, Gefühl: Melancholie. Darüber hinaus verweisen einige Autoren der betrachtenden Literatur auf eine weitergehende noch kulturspezifischere Symbolik. Bestimmte Objekte stehen ihrer Meinung nach stellvertretend für religiöse, gesellschaftliche und philosophische Themen. So nennt Bodmershof[3] beispielhaft den herabstürzenden Regen als Symbol des Todes oder das Haus als Symbol des irdischen Körpers.

Viele Haiku sind in kalligraphisch schöner Form dargestellt. Die Silbenzahl ergibt im Japanischen einen Sprechtakt, der einen ähnlichen Erinnerungswert bietet wie im Deutschen die Reime.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Haiku aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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jürgen h.

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BeitragBeitrag #3 vom 29.01.2007, 02:51  Titel: Aufbau  

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Aufbau
Die japanische Dichtung ist nicht Silben zählend, sondern quantisierend. Ein Haiku nach traditionellem Vorbild besteht aus einem Vers zu drei Wortgruppen à fünf, sieben und fünf japanischen Moren (5-7-5). Eine Mora ist eine Sprechzeiteinheit.

Eine japanische Silbe trägt eine Mora, wenn der Vokal kurz ist und die Silbe offen auslautet. Ein langer Vokal trägt zwei Moren. Ein n am Schluss einer Silbe oder ein verdoppelter Konsonant (Sokuon, wörtlich „gespannter Laut“) trägt ebenfalls eine Mora. Die meisten rein japanischen Wörter bestehen aus Silben mit einer Mora. Silben mit mehreren Moren sind meist sinojapanischen Ursprungs.

Ein Beispiel:

Nippon wa ist die erste Zeile eines Haiku und besteht aus fünf Moren wie folgt:

Ni + p + po + n + wa.

Haiku außerhalb Japans
Erst Mitte des 20. Jahrhunderts begann das Haiku auch die westliche Welt zu erobern. Zunächst verbreitete es sich in Nordamerika und im gesamten englischen Sprachraum. Ein wichtiger Wegbereiter war der Engländer Reginald Horace Blyth, der zeitweise als Lehrer am japanischen Hof arbeitete und von 1949 bis 1952 eine vierbändige Anthologie mit dem Titel „Haiku“ veröffentlichte. Heutzutage werden Haiku in fast allen Sprachen der Welt geschrieben.

Deutschsprachige Haiku
Auch im deutschsprachigen Raum hat das Haiku inzwischen Fuß gefasst. Im Deutschen ist das Silbenmuster 5-7-5 allerdings umstritten, da Silben in der deutschen Sprache viel freier gebildet werden können als im Japanischen und daher nicht zwangsläufig einen Rhythmus ergeben. Nach einer Gewöhnung an die typische Kürze des Haiku mittels des strengen Musters verfassen viele Autoren seit einigen Jahren immer öfter Dreizeiler ohne Silbenzählung.

Lange Zeit auf eine kleine Gemeinde von Haikuschreibenden beschränkt, hat sich in den letzten Jahren eine lebendige Szene im Internet entwickelt.

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jürgen h.

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BeitragBeitrag #4 vom 29.01.2007, 02:57  Titel: Senryū  

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Senryū
Das Senryū (jap. 川柳) ist eine dem Haiku sehr ähnliche japanische Gedichtform. Während das Haiku aber mehr der Natur zugewandt ist, befasst sich das Senryū mehr mit dem Persönlichen, dem Emotionalen. Wie ein Haiku hat auch das Senryū drei Verse mit traditionell fünf, sieben und fünf Silben.

In der deutschen Fassung ist die Silbenzählung umstritten. In der japanischen Kalligraphie werden nicht Silben gezählt, sondern die charakteristische Form ergibt sich aus der bildhaften Darstellung, bei der jeder Silbe ein Schriftzeichen entspricht. Die Verse werden in der japanischen Form untereinander geschrieben.

-Einschub zu Silbenzählung: gezählt werden Kanazeichen = Sprechzeiten, da die meisten derjenigen für einen Konsonanten mit folgendem Vokal stehen, entsprechen sie oft einer Silbe. Allerdings nimmt auch ein alleinstehendes n, das kleine nicht gesprochene tsu zur Konsonantenverdoppelung sowie eine Vokallängung eine eigene Sprechzeit und ein Zeichen in Anspruch, von uns werden diese aber nicht als Silben gesehen. D.h.: "Konban wa" zählt nicht 3, sondern 5 Zeiten, "yuurei" nicht 2, sondern 4, "kappa" nicht 2, sondern 3.

Erst in neuerer Zeit erreichten Senryū eine größere Bedeutung. Oft werden sie auch von Neulingen mit Haiku verwechselt, wenn als einziges Kriterium nur die Silbenzahl verwendet wird.

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BeitragBeitrag #5 vom 29.01.2007, 03:00  Titel: Tanka  

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Tanka
Ein Tanka (jap. 短歌, dt. Kurzgedicht) ist eine mindestens 1.300 Jahre alte reimlose japanische Gedichtform mit 31 Moren. Sie ist älter als das Haiku, das sich aus dem Tanka entwickelte. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Tanka aus dem Waka, wurde als Synonym für das „neue, modernisierte Waka“ eingeführt. Ein Tanka beschwört den Augenblick, hält ihn fest mit Präzision und Musikalität.

In der Anthologie Man'yōshū (万葉集, dt. Zehntausend-Blätter-Sammlung) – entstanden zwischen 400 und 759 und herausgegeben um 760 – herrscht die Form des Tanka vor und sie gedieh im mittelalterlichen Shinkokinwakashū (dt. Neuen Sammlung alter und neuer Gedichte) (1205), einer Sammlung aristokratisch-höfischer Lyrik zur höchsten Blüte.

Tanka wurden oft verwendet, um jeder Art von Anlässen einen würdigen Abschluss zu geben. So wurde auch besonderer Wert auf die Schönheit des Gedichtes und die ästhetische Form gelegt. Entsprechendes Papier, Tinte, Schönschrift und eine symbolische Zugabe, wie ein Zweig oder ein Blatt wurden verwendet.

Obwohl das Tanka sich über die Jahrhunderte weiterentwickelte, behielt es 31 Moren, die 31 Schriftzeichen entsprechen.

In Japan wird ein Tanka oft in einer einzigen Linie geschrieben, in anderen Sprachen oft in der Form 5-7-5-7-7 Moren je Zeile. Dabei ist eine Gliederung in zwei Teile üblich, die auch von verschiedenen Personen stammen können: 5-7-5 als erster Teil (Oberstollen), meist mit jahreszeitlichem Inhalt, und 7-7 als zweiter Teil (Anschluss- oder Unterstollen). Daraus entwickelte sich dann eine Art der Kettendichtung, das Renga. Der Rengameister wachte über die Einhaltung der Form, die sich auch selbstständig weiterentwickelte.

Zwischen beiden Teilen (Oberstollen, Anschlussstollen) kann eine Leerzeile gesetzt werden (muss aber nicht). Diese verdeutlicht eine inhaltliche Zäsur, die zwischen den beiden Teilen spürbar ist. So kann der erste Teil, der Oberstollen, wie bei einem Haiku ein Bild oder eine Idee zeichnen. Dieses Bild wird im zweiten Teil, dem Anschlussstollen, vollendet und eröffnet dem Leser neue Gedankenrichtungen.

Durch Weglassen des zweiten Teils des Tanka, des Anschlussstollens, entstand schließlich auch eine Form, die sich zum Haiku entwickelte.

Auch für das Tanka gelten die recht strengen Regeln des Haiku. Insbesondere sind Reime und Wortwiederholungen zu vermeiden.

Tanka-Beispiel eines unbekannten Dichters aus dem Man'yōshū:

Im Sturm des Herbstes
die Berge überfliegt dort
der Schrei der Wildgans,

die in die Ferne fortzieht,
in Wolken tief verborgen.


Yoshimi Kondō (1913–2006) zählte zu den wichtigsten japanischen Dichtern der Nachkriegszeit, der seine Verse ausnahmslos in Tanka veröffentlichte. Er war zudem Präsident des Verbandes der Tanka-Dichter, der Mirai Tankakai.

-Einschub zu Silbenzählung: gezählt werden Kanazeichen = Sprechzeiten, da die meisten derjenigen für einen konsonanten mit folgendem vokal stehen, entsprechen sie oft einer Silbe. Allerdings nimmt auch ein alleinstehendes n, das kleine nicht gesprochene tsu zur Konsonantenverdoppelung sowie eine Vokallängung eine eigene Sprechzeit und ein Zeichen in Anspruch, von uns werden diese aber nicht als Silben gesehen. D.h.: "Konban wa" zählt nicht 3, sondern 5 Zeiten, "yuurei" nicht 2, sondern 4, "kappa" nicht 2, sondern 3.

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BeitragBeitrag #6 vom 29.01.2007, 03:05  Titel: Renga  

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Renga
Das Renga (jap. 連歌) ist das traditionelle japanische Kettengedicht. Es besteht aus der Aneinanderreihung von Tanka – japanischen Kurzgedichten (Uta) und ist im japanischen Mittelalter entstanden. Tanka wurden zu lyrischen Formen mit bis zu 100 Strophen verbunden, hierbei beträgt der Oberstollen 5:7:5 Silben und der Unterstollen 7:7 Silben.

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